Industrial Engineering
Industrial Engineers planen und verbessern Abläufe in der Produktion: Sie messen Arbeitszeiten, gestalten Arbeitsplätze und Fertigungslinien und sorgen dafür, dass Material, Maschinen und Personal effizient zusammenarbeiten.
Das Berufsbild
Was macht ein Industrial Engineer?
Industrial Engineers arbeiten an der Schnittstelle zwischen Technik, Organisation und Wirtschaftlichkeit. Im Kern geht es um die Frage, wie ein Produkt mit möglichst wenig Zeit, Material und Aufwand in gleichbleibender Qualität entsteht. Dazu analysieren sie bestehende Abläufe in der Fertigung und Montage, nehmen Arbeitszeiten nach Methoden wie REFA oder MTM auf und berechnen Vorgabezeiten, auf deren Grundlage Personal geplant und teils auch entlohnt wird. Sie entwerfen Layouts für Hallen und Montagelinien, planen Materialflüsse, gestalten Arbeitsplätze ergonomisch und taktgerecht und kalkulieren Kapazitäten für neue Produkte. In vielen Betrieben leiten sie Lean-Projekte, etwa zur Verringerung von Rüstzeiten, Beständen oder Wegen. Ein großer Teil der Arbeit findet am Rechner statt, mit Tabellenkalkulation, ERP-Systemen und Simulationssoftware, ein anderer direkt in der Halle im Gespräch mit Schichtleitungen, Werkern und Betriebsrat.
Wie wird man Industrial Engineer?
Der häufigste Weg ist ein Studium, meist Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau mit Schwerpunkt Produktionstechnik oder ein Studiengang mit dem Namen Industrial Engineering. Ein Bachelor dauert sechs bis sieben Semester, ein Master weitere drei bis vier. Duale Studiengänge in Zusammenarbeit mit Industriebetrieben sind verbreitet. Daneben gibt es einen etablierten Weg über die Praxis: Wer eine technische Ausbildung etwa als Industriemechanikerin oder Mechatroniker abgeschlossen hat, kann sich zum staatlich geprüften Techniker oder Industriemeister weiterbilden und über Zusatzqualifikationen in Arbeitsorganisation, REFA-Grundschein oder MTM-Lizenz in die Arbeitsvorbereitung und das Industrial Engineering wechseln. Quereinsteiger aus der Fertigung bringen dabei oft Erfahrung mit, die Hochschulabsolventen fehlt.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf verlangt analytisches Denken und den Umgang mit Zahlen, aber ebenso Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen. Zeitaufnahmen und Rationalisierungsprojekte stoßen in der Belegschaft nicht immer auf Begeisterung, weil sie mit Leistungsvorgaben und manchmal mit Stellenabbau verbunden werden. Industrial Engineers müssen ihre Ergebnisse gegenüber Produktion, Controlling, Geschäftsführung und Betriebsrat vertreten und mit Widerstand umgehen können. Die Arbeitszeiten liegen überwiegend im Tagdienst, bei Anläufen neuer Linien, Umbauten in Werksferien oder Problemen in der Serie sind Überstunden und Einsätze in Spät- oder Nachtschicht jedoch üblich. In der Halle sind Lärm, Schutzkleidung und viel Stehen und Gehen Teil des Alltags. In Konzernen kommen Dienstreisen zu anderen Werken hinzu, gelegentlich auch ins Ausland. Gute Englischkenntnisse werden in international aufgestellten Unternehmen erwartet.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil, weil Kostendruck, Automatisierung und Fachkräftemangel die Unternehmen zwingen, Abläufe ständig zu überprüfen. Gesucht wird vor allem in der Automobil- und Zulieferindustrie, im Maschinenbau, in der Elektroindustrie und zunehmend in der Logistik. Konjunkturschwächen in der Industrie schlagen allerdings direkt durch, besonders in der Autobranche. Wer Kenntnisse in Datenanalyse, Simulation und Digitalisierung von Produktionsprozessen mitbringt, ist im Vorteil. Typische Entwicklungswege führen zur Leitung einer Abteilung Industrial Engineering oder Arbeitsvorbereitung, in die Produktions- oder Werkleitung, in die Fabrikplanung oder in die Beratung, wo Lean- und Prozessexperten projektweise für verschiedene Betriebe arbeiten.
Aufgaben
- Arbeitszeiten nach REFA oder MTM aufnehmen und Vorgabezeiten berechnen
- Layouts für Montagelinien und Fertigungsbereiche planen
- Materialflüsse und Logistikwege in der Halle analysieren
- Arbeitsplätze ergonomisch und taktgerecht gestalten
- Kapazitäten und Personalbedarf für neue Produkte kalkulieren
- Lean-Workshops zur Reduzierung von Rüstzeiten und Beständen leiten
- Kennzahlen wie Produktivität und Anlageneffektivität auswerten
- Verbesserungsmaßnahmen mit Produktion und Betriebsrat abstimmen
Voraussetzungen
- Studium in Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau oder Industrial Engineering, alternativ Techniker oder Industriemeister mit Berufserfahrung
- Kenntnisse in Arbeitswirtschaft, etwa REFA-Grundausbildung oder MTM-Lizenz
- Sicherer Umgang mit Tabellenkalkulation, ERP-Systemen und Planungssoftware
- Analytisches Denken und Verständnis für Fertigungstechnik
- Kommunikationsstärke und Durchsetzungsvermögen gegenüber verschiedenen Abteilungen
- Gute Englischkenntnisse in international tätigen Unternehmen
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelorstudium in Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau oder Industrial Engineering mit sechs bis sieben Semestern, häufig auch dual. Alternativ führt eine technische Berufsausbildung mit anschließender zweijähriger Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker oder Industriemeister und Zusatzqualifikationen wie REFA oder MTM in den Beruf.
Wo man arbeitet
- Automobilhersteller und Zulieferbetriebe
- Maschinen- und Anlagenbau
- Elektro- und Elektronikindustrie
- Logistik- und Distributionszentren
- Unternehmensberatungen mit Schwerpunkt Produktion
Was du als Industrial Engineering verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 4.400 € 3.800 – 5.200 €
- Mit Berufserfahrung
- 5.300 € 4.600 – 6.300 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 6.800 € 5.800 – 8.500 €
In der Metall- und Elektroindustrie richtet sich das Gehalt meist nach dem Entgeltrahmenabkommen (ERA) der IG Metall, das in großen Konzernen deutlich über dem Niveau kleiner, nicht tarifgebundener Zulieferer liegt. Ausschlaggebend sind außerdem Studienabschluss gegenüber Technikerweg, Branche und Region, wobei Süddeutschland und die Automobilindustrie am oberen Rand liegen.
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