Ingenieur für Steuerungstechnik und Automatisierung
Ingenieurinnen und Ingenieure für Steuerungstechnik und Automatisierung planen, programmieren und nehmen Steuerungen für Maschinen, Produktionsanlagen und technische Prozesse in Betrieb. Sie sorgen dafür, dass Sensoren, Antriebe und Software zuverlässig zusammenarbeiten.
Das Berufsbild
Was macht ein Ingenieur für Steuerungstechnik und Automatisierung?
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine Maschine oder Anlage selbstständig und sicher arbeitet. Dazu legen Automatisierungsingenieure fest, welche Sensoren, Aktoren, Antriebe und Steuerungen eingesetzt werden, erstellen Schaltpläne gemeinsam mit der Elektrokonstruktion und schreiben die Software für speicherprogrammierbare Steuerungen, meist mit Siemens TIA Portal, Codesys oder Beckhoff TwinCAT. Hinzu kommen Bedienoberflächen für das Bedienpersonal, die Anbindung an Leitsysteme und Datenbanken sowie Kommunikation über Feldbusse wie Profinet oder EtherCAT. Ein großer Teil der Arbeit findet nicht am Schreibtisch statt: Programme werden in der Werkhalle oder direkt beim Kunden getestet, Fehler eingegrenzt, Abläufe optimiert und die Anlage schließlich übergeben. Dazu gehören Risikobeurteilungen nach Maschinenrichtlinie, Dokumentation und Schulungen für das Wartungspersonal. In größeren Unternehmen spezialisieren sich viele auf Bereiche wie Robotik, Prozessleittechnik, Antriebstechnik oder funktionale Sicherheit.
Wie wird man Ingenieur für Steuerungstechnik und Automatisierung?
Der übliche Weg ist ein Bachelorstudium in Elektrotechnik, Automatisierungstechnik, Mechatronik oder Technischer Informatik, das an Hochschulen für angewandte Wissenschaften meist sieben Semester dauert. Ein Master ist für Entwicklung, Forschung und manche Führungslaufbahnen hilfreich, für die Projektarbeit in der Industrie aber keine Pflicht. Duale Studiengänge verbinden Studium und Praxis in einem Betrieb und sind in diesem Feld verbreitet. Ein häufiger Quereinstieg führt über eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik oder Mechatroniker mit anschließender Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker. Techniker übernehmen oft ähnliche Aufgaben, den Titel Ingenieur dürfen sie ohne Studium jedoch nicht führen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit verlangt sorgfältiges, logisches Denken und die Geduld, einen Fehler auch nach Stunden noch systematisch zu suchen. Wer bei Anlagenbauern arbeitet, muss mit viel Reisetätigkeit rechnen: Inbetriebnahmen beim Kunden dauern oft mehrere Wochen, teils im Ausland, und fallen regelmäßig in eine Phase mit hohem Zeitdruck, weil der Produktionsstart bereits geplant ist. Lange Tage, Wochenendeinsätze und Arbeit in lauten, staubigen oder warmen Hallen gehören dann dazu. In Werken mit laufender Produktion kommen Rufbereitschaften hinzu. Gute Englischkenntnisse werden fast überall erwartet. Die Technik ändert sich schnell, und wer nicht laufend dazulernt, etwa zu Industrial Ethernet, IT-Sicherheit oder Hochsprachen wie Python und C, verliert den Anschluss.
Aussichten
Die Nachfrage ist seit Jahren hoch, weil Fachkräftemangel, Energiekosten und Wettbewerbsdruck die Industrie zur weiteren Automatisierung zwingen. Gesucht werden Fachleute im Maschinen- und Anlagenbau, in der Automobil- und Zulieferindustrie, in der Chemie- und Pharmaproduktion, in der Lebensmittelindustrie sowie in der Energie- und Wassertechnik. Konjunkturschwächen im Maschinenbau oder in der Automobilbranche können sich allerdings spürbar auf einzelne Regionen auswirken. Entwicklungswege führen zur Projektleitung, in die Leitung einer Softwareabteilung, in den technischen Vertrieb oder zu Spezialrollen wie Sicherheitsingenieur oder Experte für industrielle IT-Sicherheit. Auch die Selbstständigkeit als Dienstleister für Inbetriebnahmen ist verbreitet.
Aufgaben
- Steuerungskonzepte und Ablaufpläne für Maschinen und Anlagen entwerfen
- SPS-Programme schreiben, testen und dokumentieren
- Bedienoberflächen und Visualisierungen erstellen
- Feldbusse, Antriebe und Sensoren konfigurieren und einbinden
- Anlagen beim Kunden in Betrieb nehmen und Fehler beheben
- Risikobeurteilungen und Sicherheitsfunktionen nach Maschinenrichtlinie umsetzen
- Wartungspersonal schulen und Kunden technisch beraten
Voraussetzungen
- Abgeschlossenes Studium in Elektrotechnik, Automatisierungstechnik, Mechatronik oder einem verwandten Fach
- Kenntnisse in SPS-Programmierung, etwa mit TIA Portal, Codesys oder TwinCAT
- Analytisches Denken und Ausdauer bei der Fehlersuche
- Gute Englischkenntnisse
- Reisebereitschaft, besonders im Anlagenbau
- Führerschein der Klasse B für Einsätze beim Kunden
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelorstudium in Elektrotechnik, Automatisierungstechnik oder Mechatronik von sechs bis sieben Semestern, oft auch dual; ein Master dauert weitere drei bis vier Semester. Alternativ führt eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik mit anschließender zweijähriger Technikerschule in ähnliche Aufgaben, allerdings ohne Ingenieurtitel.
Wo man arbeitet
- Maschinen- und Anlagenbauer
- Automobilhersteller und Zulieferer
- Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie
- Ingenieur- und Automatisierungsdienstleister
- Energieversorger und Wasserwirtschaft
- Hersteller von Steuerungs- und Antriebstechnik
Was du als Ingenieur für Steuerungstechnik und Automatisierung verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 4.600 € 4.000 – 5.300 €
- Mit Berufserfahrung
- 5.800 € 5.000 – 6.800 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 7.200 € 6.200 – 8.800 €
Am stärksten wirkt die Tarifbindung: In Betrieben mit IG-Metall-Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie (ERA) liegen die Gehälter meist deutlich über denen nicht tarifgebundener Mittelständler und Dienstleister, im öffentlichen Dienst gilt der TVöD mit eher niedrigeren Werten. Hinzu kommen Branche und Region, und bei Inbetriebnahmen im In- und Ausland können Auslösungen und Montagezulagen das Einkommen erheblich erhöhen.
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