Monteur Rückbau im Kernkraftwerk
Monteure im Rückbau zerlegen stillgelegte Kernkraftwerke Stück für Stück, dekontaminieren Bauteile und verpacken radioaktive Abfälle. Die Arbeit findet zu großen Teilen im Kontrollbereich unter strengen Strahlenschutzregeln statt.
Das Berufsbild
Was macht ein Monteur im Rückbau eines Kernkraftwerks?
Seit der Abschaltung der letzten deutschen Kernkraftwerke im April 2023 werden alle Anlagen zurückgebaut. Monteure demontieren dabei Rohrleitungen, Pumpen, Armaturen, Wärmetauscher, Kabeltrassen und Stahlbauteile, oft bis hin zu Teilen des Reaktordruckbehälters. Sie trennen Material mit Säge, Trennschleifer, Plasmabrenner oder Seilsäge, schlagen Bauteile an, transportieren sie mit Kran und Hubwagen und zerlegen sie in Stücke, die in Abfallbehälter passen. Ein großer Teil der Arbeit ist Dekontamination: Oberflächen strahlen, abschleifen oder chemisch reinigen, bis Material freigemessen und als gewöhnlicher Schrott abgegeben werden kann. Was nicht freigegeben werden kann, wird sortiert, verpresst und in Fässer oder Konrad-Container verpackt. Jeder Arbeitsschritt wird dokumentiert, jedes Teil gekennzeichnet und verfolgt. Gearbeitet wird im Kontrollbereich in Schutzkleidung, häufig mit Atemschutz, mit Dosimeter und nach genehmigten Arbeitsanweisungen.
Wie wird man Monteur im Rückbau?
Eine eigene Ausbildung gibt es nicht. Üblich ist eine abgeschlossene Berufsausbildung im Metall- oder Elektrobereich, etwa als Industriemechaniker, Anlagenmechaniker, Konstruktionsmechaniker, Rohrleitungsbauer oder Elektroniker. Wer Erfahrung im Anlagenbau, in Kraftwerken oder in der chemischen Industrie mitbringt, hat gute Chancen. Die kerntechnischen Kenntnisse vermitteln die Betriebe selbst: Strahlenschutzunterweisungen, Schulungen zu Kontrollbereich und Arbeitsabläufen, Atemschutzlehrgänge. Vor dem Einsatz stehen eine arbeitsmedizinische Untersuchung für beruflich strahlenexponierte Personen und eine Zuverlässigkeitsüberprüfung nach dem Atomgesetz. Angelernte Helfer werden ebenfalls eingesetzt, meist über Dienstleister und für einfachere Zerlege- und Verpackungsarbeiten.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich anstrengend. In Schutzanzug und Atemschutz wird es schnell heiß, Einsätze sind deshalb zeitlich begrenzt, die Pausen geregelt. Gearbeitet wird oft in engen Räumen, auf Gerüsten, über Kopf und mit schwerem Werkzeug, bei Lärm und Staub. Die Strahlenbelastung wird ständig gemessen und ist durch Grenzwerte begrenzt, sie bleibt aber ein Teil des Berufs. Hinzu kommt eine Regeldichte, die nicht jedem liegt: Jeder Handgriff folgt einer Anweisung, Abweichungen müssen gemeldet werden, Kontrollbereichsein- und -ausgang kosten jedes Mal Zeit. Viele Arbeitsschritte wiederholen sich über Monate. Bei Betreibern wird teils im Schichtbetrieb gearbeitet, bei Dienstleistern sind Montageeinsätze mit Übernachtung fern vom Wohnort üblich.
Aussichten
Der Rückbau eines Kernkraftwerks dauert in der Regel zehn bis zwanzig Jahre, bei den zuletzt abgeschalteten Anlagen reicht er bis in die 2040er-Jahre. Dazu kommen Forschungsreaktoren, Zwischenlager und die Endlagerprojekte Konrad und Asse. Die Nachfrage nach erfahrenen Fachkräften ist entsprechend stabil, zumal viele ältere Beschäftigte in Rente gehen. Langfristig ist der Bedarf in Deutschland aber endlich, weil keine neuen Anlagen gebaut werden. Mit dem Ende einzelner Projekte fallen Stellen weg, wer flexibel ist, wechselt zu anderen Standorten oder ins Ausland. Aufstiegsmöglichkeiten bestehen als Vorarbeiter oder Schichtleiter, über eine Weiterbildung zum Techniker oder Meister sowie in Richtung Strahlenschutz, etwa als Strahlenschutzfachkraft mit anerkannter Fachkunde. Die erworbenen Kenntnisse in Dekontamination und Strahlenschutz sind auch in Medizin, Forschung und Industrie gefragt.
Aufgaben
- Rohrleitungen, Armaturen, Pumpen und Stahlbauteile demontieren
- Bauteile mit Säge, Trennschleifer oder Plasmabrenner zerlegen
- Oberflächen durch Strahlen, Schleifen oder chemische Verfahren dekontaminieren
- Radioaktive Abfälle sortieren, verpressen und in Fässer oder Container verpacken
- Lasten anschlagen und mit Kran oder Flurförderzeug transportieren
- Material für die Freimessung vorbereiten und kennzeichnen
- Arbeitsschritte, Materialflüsse und Messergebnisse dokumentieren
- Arbeitsbereiche einrichten, abschirmen und nach Abschluss räumen
Voraussetzungen
- Abgeschlossene Berufsausbildung im Metall- oder Elektrobereich
- Gesundheitliche Eignung nach Strahlenschutzverordnung und Tauglichkeit für Atemschutz
- Bestandene Zuverlässigkeitsüberprüfung nach dem Atomgesetz
- Körperliche Belastbarkeit, auch bei Hitze in Schutzkleidung und in engen Räumen
- Genaues Arbeiten nach Anweisungen und sorgfältige Dokumentation
- Von Vorteil: Schweiß-, Kran- oder Staplerschein
Der Weg in den Beruf
Üblich ist eine drei- bis dreieinhalbjährige duale Ausbildung in einem Metall- oder Elektroberuf, etwa als Industriemechaniker oder Anlagenmechaniker. Die kerntechnischen Kenntnisse folgen im Betrieb über Einarbeitung, Strahlenschutzunterweisungen und Lehrgänge, die einige Wochen bis Monate dauern.
Wo man arbeitet
- Stillgelegte Kernkraftwerke von Energieversorgern
- Dienstleister für Rückbau, Dekontamination und Entsorgung
- Forschungsreaktoren und kerntechnische Forschungszentren
- Zwischenlager und Endlagerbaustellen
- Personaldienstleister mit Einsatz in kerntechnischen Anlagen
Was du als Monteur Rückbau im Kernkraftwerk verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 3.200 € 2.900 – 3.600 €
- Mit Berufserfahrung
- 3.700 € 3.300 – 4.300 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 4.400 € 3.900 – 5.000 €
Entscheidend ist der Arbeitgeber: Bei den Kraftwerksbetreibern gelten meist Haustarifverträge der Energiewirtschaft mit IG BCE oder ver.di, bei Dienstleistern teils der Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie, bei Personaldienstleistern die Zeitarbeitstarife mit deutlich niedrigeren Grundlöhnen. Montage- und Auslösezahlungen, Schicht- und Erschwerniszulagen können das Einkommen spürbar erhöhen, sind in den Werten aber nicht enthalten.
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