Pflegefachkraft Wundexperte
Pflegefachkräfte mit Zusatzqualifikation als Wundexperte versorgen chronische und schwer heilende Wunden wie Druckgeschwüre, diabetische Fußwunden oder offene Beine. Sie beurteilen Wunden, planen die Behandlung und beraten Pflegeteams, Ärztinnen und Betroffene.
Das Berufsbild
Was macht eine Pflegefachkraft Wundexperte?
Im Mittelpunkt stehen Menschen mit Wunden, die über Wochen oder Monate nicht heilen: Dekubitus, Ulcus cruris, diabetisches Fußsyndrom, Tumorwunden oder Wundheilungsstörungen nach Operationen. Wundexperten messen und fotografieren Wunden, beurteilen Wundgrund, Exsudat und Wundrand und halten alles in einer Wunddokumentation fest. Sie reinigen Wunden, tragen abgestorbenes Gewebe in Absprache mit dem Arzt mechanisch ab, wählen Wundauflagen aus und legen Kompressionsverbände an. Ein großer Teil der Arbeit ist Beratung: Pflegekräfte auf Station oder im ambulanten Dienst werden angeleitet, Angehörige lernen den Verbandwechsel, Betroffene erfahren, wie sie Druck entlasten, ihre Haut pflegen oder ihren Blutzucker im Blick behalten. Dazu kommen Absprachen mit Hausärzten, Chirurgen und Krankenkassen sowie das Prüfen von Verordnungen. In Homecare-Unternehmen fahren Wundexperten täglich zu mehreren Patienten nach Hause oder in Pflegeheime.
Wie wird man Pflegefachkraft Wundexperte?
Voraussetzung ist eine abgeschlossene Pflegeausbildung, heute meist die dreijährige generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, früher Gesundheits- und Krankenpflege oder Altenpflege. Darauf baut eine Weiterbildung auf, am verbreitetsten die zum Wundexperten nach dem Standard der Initiative Chronische Wunden (ICW). Sie umfasst rund 56 Unterrichtseinheiten, ein Praktikum, eine Hospitation und eine schriftliche Prüfung mit Hausarbeit. Viele Arbeitgeber übernehmen die Kosten. Das Zertifikat gilt nur, wenn regelmäßig Fortbildungspunkte nachgewiesen werden. Auch Medizinische Fachangestellte und Angehörige anderer Gesundheitsberufe können die Weiterbildung belegen, als Pflegefachkraft im engeren Sinn arbeiten sie dann aber nicht.
Was der Beruf verlangt
Wer mit chronischen Wunden arbeitet, muss Geruch, Eiter, Nekrosen und den Anblick tiefer Wunden aushalten. Viele Patienten sind alt, mehrfach erkrankt, haben Schmerzen und wenig Hoffnung auf schnelle Besserung; Fortschritte zeigen sich oft erst nach Wochen. Verbandwechsel am Bett oder in engen Wohnungen bedeuten gebeugtes Arbeiten. Im Krankenhaus und im Pflegeheim bleibt die Arbeit häufig Teil des normalen Schichtdienstes, und für die Wundversorgung steht wegen Personalmangels weniger Zeit zur Verfügung, als fachlich nötig wäre. Im Homecare-Bereich sind die Arbeitszeiten meist regelmäßiger, dafür gehören lange Autofahrten, Termindruck und Vertriebsziele für Medizinprodukte dazu. Sorgfältige Dokumentation ist Pflicht, weil Kassen und Ärzte sie für Verordnungen und Haftungsfragen brauchen.
Aussichten
Die Zahl älterer Menschen mit Diabetes, Gefäßerkrankungen und Pflegebedarf wächst, damit auch die Zahl chronischer Wunden. Qualifizierte Wundexperten werden in Kliniken, Pflegediensten und bei Homecare-Anbietern gesucht. Wer sich weiterentwickeln will, kann die Aufbaukurse zum Pflegetherapeuten Wunde oder Fachtherapeuten Wunde besuchen, ein Wundzentrum mitaufbauen, als Dozent in der Weiterbildung arbeiten oder in den Außendienst eines Herstellers wechseln. Ein Pflegestudium öffnet zusätzlich Wege ins Qualitätsmanagement oder in die Pflegeexpertise mit erweiterten Befugnissen.
Aufgaben
- Wunden vermessen, fotografieren und nach Standard dokumentieren
- Wundreinigung und Verbandwechsel durchführen
- Wundauflagen und Kompressionstherapie auswählen und anwenden
- Behandlungspläne mit Ärztinnen und Ärzten abstimmen
- Pflegeteams auf Station oder im ambulanten Dienst anleiten
- Patienten und Angehörige zu Druckentlastung, Hautpflege und Verbandwechsel schulen
- Verordnungen prüfen und mit Krankenkassen kommunizieren
- Hausbesuche und Visiten in Pflegeheimen planen
Voraussetzungen
- Abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachkraft
- Zertifikat als Wundexperte, meist nach ICW-Standard, mit regelmäßiger Rezertifizierung
- Belastbarkeit beim Umgang mit Geruch, Schmerz und schweren Krankheitsverläufen
- Genaue und lückenlose Dokumentation
- Geduld und Verständlichkeit in der Beratung älterer und kranker Menschen
- Führerschein Klasse B für ambulante und Homecare-Tätigkeit
Der Weg in den Beruf
Zuerst steht die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann mit staatlicher Prüfung. Danach folgt die berufsbegleitende Weiterbildung zum Wundexperten ICW mit rund 56 Unterrichtseinheiten, Praktikum und Prüfung, die meist wenige Wochen bis einige Monate dauert.
Wo man arbeitet
- Krankenhäuser und Fachkliniken
- Ambulante Pflegedienste
- Homecare-Unternehmen und Sanitätshäuser
- Stationäre Pflegeeinrichtungen
- Wundzentren und Arztpraxen
- Hersteller von Medizinprodukten
Was du als Pflegefachkraft Wundexperte verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 3.500 € 3.100 – 3.900 €
- Mit Berufserfahrung
- 3.800 € 3.400 – 4.300 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 4.300 € 3.800 – 5.000 €
In Kliniken des öffentlichen Dienstes gilt der TVöD-P, meist in den Entgeltgruppen P7 oder P8, bei kirchlichen Trägern die AVR von Caritas oder Diakonie; in der Altenpflege greifen Tarif- oder tarifähnliche Bezahlung nach der Tariftreueregelung. Homecare-Unternehmen und Hersteller zahlen frei verhandelt und oft mehr, häufig mit Dienstwagen, während kleine private Pflegedienste eher am unteren Rand liegen.
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