Praxisanleiter mit Freistellung
Praxisanleiter mit Freistellung sind erfahrene Pflegefachpersonen, die ganz oder teilweise vom Stationsdienst befreit sind, um Auszubildende in der Praxis anzuleiten, zu begleiten und zu beurteilen. Sie verbinden den Pflegealltag mit der Ausbildung des Nachwuchses.
Das Berufsbild
Was macht ein Praxisanleiter mit Freistellung?
Praxisanleiter sorgen dafür, dass Auszubildende in der Pflege das im Unterricht Gelernte am Patienten oder Bewohner anwenden. Die Freistellung bedeutet, dass ein festgelegter Anteil der Arbeitszeit oder die gesamte Stelle für diese Aufgabe reserviert ist und nicht im regulären Schichtbetrieb aufgeht. Im Alltag heißt das: Anleitungen planen und durchführen, etwa beim Verbandswechsel, bei der Medikamentengabe, beim Umgang mit Portsystemen oder bei der Mobilisation nach einer Operation. Praxisanleiter führen Erst-, Zwischen- und Abschlussgespräche, schreiben Beurteilungen, dokumentieren die Anleitungsstunden im Ausbildungsnachweis und stimmen sich mit der Pflegeschule ab. Bei der praktischen Abschlussprüfung sind sie meist als Fachprüfer beteiligt. Hinzu kommt die Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen, oft auch von Pflegekräften aus dem Ausland im Anerkennungsverfahren. In größeren Häusern arbeiten mehrere freigestellte Praxisanleiter in einem Team, das den Einsatz aller Auszubildenden über die Stationen hinweg koordiniert.
Wie wird man Praxisanleiter mit Freistellung?
Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, Gesundheits- und Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger oder Altenpfleger. Nach der Pflegeberufe-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung braucht es mindestens ein Jahr Berufserfahrung im jeweiligen Einsatzbereich innerhalb der letzten fünf Jahre sowie eine berufspädagogische Weiterbildung von mindestens 300 Stunden. Diese wird berufsbegleitend an Bildungszentren, Kliniken oder Akademien angeboten und dauert meist sechs bis zwölf Monate. Danach sind jährlich 24 Stunden Fortbildung Pflicht. Ähnliche Weiterbildungen gibt es für Notfallsanitäter und andere Gesundheitsberufe. Ein direkter Quereinstieg ohne Pflegeausbildung ist nicht möglich.
Was der Beruf verlangt
Praxisanleiter stehen zwischen mehreren Erwartungen: Die Auszubildenden wollen Zeit und Geduld, die Station braucht helfende Hände, die Schule verlangt saubere Nachweise. Bei Personalmangel wird Anleitungszeit häufig gestrichen, und gerade teilweise freigestellte Kräfte werden kurzfristig in den Dienstplan zurückgeholt. Die Dokumentationspflichten sind umfangreich. Schwer fällt vielen die Rolle als Beurteilende, etwa wenn eine Probezeit nicht bestanden oder eine Prüfung schlecht bewertet werden muss. Körperlich bleibt die Arbeit am Bett anstrengend, da Anleitung meist direkt in der Pflege stattfindet. Ein Vorteil gegenüber dem Stationsdienst: Vollständig freigestellte Stellen liegen überwiegend im Tagdienst, Nachtschichten entfallen dann meist. Wer nur anteilig freigestellt ist, arbeitet weiterhin im Schichtsystem.
Aussichten
Seit der generalistischen Pflegeausbildung ist vorgeschrieben, dass mindestens zehn Prozent der praktischen Einsatzzeit geplante Anleitung sein müssen. Damit ist der Bedarf an qualifizierten Praxisanleitern gestiegen, viele Einrichtungen suchen dauerhaft. Auch durch die neue bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung und die Anerkennung ausländischer Fachkräfte wächst die Aufgabe. Entwicklungswege führen zur zentralen Praxisanleitung oder Leitung eines Anleiterteams, in die Ausbildungskoordination oder über ein Studium der Pflegepädagogik in die Lehre an einer Pflegeschule.
Aufgaben
- Anleitungen am Patienten oder Bewohner planen, durchführen und auswerten
- Erst-, Zwischen- und Abschlussgespräche mit Auszubildenden führen
- Beurteilungen schreiben und Anleitungsstunden im Ausbildungsnachweis dokumentieren
- Praktische Prüfungen vorbereiten und als Fachprüfer abnehmen
- Einsätze der Auszubildenden mit Stationen und Pflegeschule abstimmen
- Neue Mitarbeitende und Pflegekräfte im Anerkennungsverfahren einarbeiten
- Lernaufgaben und Anleitungskonzepte für den Einsatzbereich entwickeln
Voraussetzungen
- Abgeschlossene Pflegeausbildung mit Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung
- Mindestens ein Jahr Berufserfahrung im Einsatzbereich innerhalb der letzten fünf Jahre
- Berufspädagogische Weiterbildung zur Praxisanleitung mit mindestens 300 Stunden
- Jährliche Fortbildung von 24 Stunden
- Geduld, klare Kommunikation und die Fähigkeit, fair zu beurteilen
- Körperliche Belastbarkeit für die Arbeit am Bett
Der Weg in den Beruf
Nach einer dreijährigen Pflegeausbildung und mindestens einem Jahr Berufserfahrung folgt eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Praxisanleitung mit mindestens 300 Stunden, die meist sechs bis zwölf Monate dauert. Sie schließt mit einem Zertifikat ab, das zur Anleitung in der Pflegeausbildung berechtigt.
Wo man arbeitet
- Krankenhäuser und Universitätskliniken
- Stationäre Pflegeeinrichtungen
- Ambulante Pflegedienste
- Rehabilitationskliniken
- Psychiatrische Kliniken
- Kinderkliniken
Was du als Praxisanleiter mit Freistellung verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 3.700 € 3.300 – 4.100 €
- Mit Berufserfahrung
- 4.100 € 3.600 – 4.500 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 4.500 € 4.000 – 5.200 €
In kommunalen Kliniken gilt der TVöD mit der Pflegetabelle (TVöD-P), an Unikliniken der TV-L, bei kirchlichen Trägern die AVR der Caritas oder Diakonie; dort ist die Praxisanleitung meist höher eingruppiert als die reine Stationspflege. Bei privaten Trägern und in der Altenpflege liegen die Gehälter oft darunter, und bei voller Freistellung entfallen Schicht- und Nachtzulagen, was das tatsächliche Einkommen gegenüber dem Stationsdienst senken kann.
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