VerfahrensmechanikerIn für Glastechnik
Verfahrensmechanikerinnen und Verfahrensmechaniker für Glastechnik richten Anlagen ein, die Glas schmelzen, formen und veredeln, und überwachen sie im laufenden Betrieb. Sie arbeiten in Werken, die Flachglas, Behälterglas, Spezialglas oder Glasfasern herstellen.
Das Berufsbild
Was macht ein Verfahrensmechaniker für Glastechnik?
Im Mittelpunkt steht die Produktionsanlage. Aus Quarzsand, Soda, Kalk und Altglas entsteht in einer Schmelzwanne bei weit über tausend Grad flüssiges Glas, das anschließend zu Scheiben, Flaschen, Röhren oder Fasern geformt wird. Verfahrensmechanikerinnen und Verfahrensmechaniker richten die Maschinen dafür ein, stellen Temperaturen, Drücke und Taktzeiten ein und beobachten den Prozess an Leitständen und direkt an der Linie. Sie ziehen Proben, prüfen Wanddicken, Maße und Oberflächen auf Blasen, Schlieren oder Risse und greifen ein, wenn Werte abweichen. Dazu kommen das Wechseln von Formen und Werkzeugen, kleinere Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie das Dokumentieren von Messwerten und Störungen. Je nach Betrieb liegt der Schwerpunkt eher auf der Formgebung, etwa an Flaschenmaschinen, oder auf der Weiterverarbeitung wie Schneiden, Schleifen, Beschichten und Vorspannen von Glas.
Wie wird man Verfahrensmechaniker für Glastechnik?
Der übliche Weg ist eine dreijährige duale Ausbildung in einem Industriebetrieb mit Abschlussprüfung vor der IHK. Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, die meisten Betriebe stellen aber Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder einem guten Hauptschulabschluss ein. Mathematik, Physik und Chemie helfen beim Verständnis der Prozesse. Da es nur wenige Berufsschulen für diesen Beruf gibt, findet der Unterricht oft in Blockform an weiter entfernten Standorten statt, teilweise mit Internatsunterbringung. Quereinsteiger aus Metall- oder Chemieberufen arbeiten häufig zunächst als angelernte Maschinenbediener und können den Abschluss später über eine Externenprüfung nachholen.
Was der Beruf verlangt
Schmelzwannen laufen jahrelang ohne Unterbrechung, deshalb wird in den meisten Werken im Drei- oder Vollkontischicht gearbeitet, also auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen. In der Nähe der Anlagen ist es heiß und laut, Schutzkleidung, Gehörschutz und Schutzbrille gehören zum Alltag. Glasbruch und scharfe Kanten bergen Verletzungsgefahr, und viele Tätigkeiten werden im Stehen ausgeführt. Bei Störungen muss unter Zeitdruck gehandelt werden, denn eine stehende Linie verursacht schnell Ausschuss. Gefragt sind technisches Verständnis, Sorgfalt beim Messen und die Bereitschaft, Verantwortung für eine teure Anlage zu übernehmen.
Aussichten
Die Glasindustrie in Deutschland ist überschaubar, aber stabil, und Fachkräfte sind knapp, weil nur wenige Menschen den Beruf überhaupt kennen. Wer ausgebildet ist, wird meist übernommen. Allerdings konzentrieren sich die Werke auf bestimmte Regionen, ein Umzug kann nötig sein. Hohe Energiepreise setzen die Branche unter Druck, gleichzeitig entstehen durch Elektrifizierung der Schmelzwannen und stärkere Automatisierung neue Aufgaben. Aufstiegsmöglichkeiten bieten die Weiterbildung zum Industriemeister, zur Schichtleitung oder zum staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Glastechnik. Mit Hochschulzugangsberechtigung ist auch ein Studium der Werkstofftechnik möglich.
Aufgaben
- Glasschmelz- und Formgebungsanlagen einrichten und anfahren
- Temperaturen, Drücke und Taktzeiten am Leitstand überwachen und nachregeln
- Proben ziehen und Glasprodukte auf Maße, Blasen und Risse prüfen
- Formen und Werkzeuge wechseln und einstellen
- Glas schneiden, schleifen, beschichten oder vorspannen
- Störungen beheben und kleinere Wartungsarbeiten ausführen
- Produktionsdaten und Qualitätsprüfungen dokumentieren
Voraussetzungen
- Meist mittlerer Schulabschluss oder guter Hauptschulabschluss
- Grundkenntnisse in Mathematik, Physik und Chemie
- Technisches Verständnis und Sorgfalt beim Messen und Prüfen
- Bereitschaft zu Schichtarbeit einschließlich Nacht- und Wochenenddiensten
- Belastbarkeit bei Hitze, Lärm und langem Stehen
- Reaktionsfähigkeit bei Störungen unter Zeitdruck
Der Weg in den Beruf
Die duale Ausbildung dauert drei Jahre und endet mit der Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Der Berufsschulunterricht findet wegen der wenigen Standorte häufig im Blockunterricht statt. Danach sind Weiterbildungen zum Industriemeister oder zum staatlich geprüften Techniker für Glastechnik möglich.
Wo man arbeitet
- Flachglashersteller
- Behälterglaswerke
- Spezialglas- und Laborglashersteller
- Glasfaser- und Glaswollehersteller
- Betriebe der Glasveredelung und Isolierglasfertigung
Was du als VerfahrensmechanikerIn für Glastechnik verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 3.100 € 2.800 – 3.400 €
- Mit Berufserfahrung
- 3.600 € 3.200 – 4.000 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 4.300 € 3.800 – 5.000 €
Die meisten größeren Werke zahlen nach den Tarifverträgen der Glasindustrie mit der IG BCE, die je nach Sparte wie Flachglas oder Hohlglas und Region unterschiedlich ausfallen. Spürbar mehr bringen die Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit im Vollkontischichtbetrieb, die in den angegebenen Werten nicht enthalten sind.
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