Vorarbeiter
Vorarbeiter leiten eine kleine Gruppe von Arbeitskräften auf der Baustelle, in der Werkhalle oder im Reinigungs- und Gartenbaubetrieb, teilen die Arbeit ein und arbeiten selbst mit. Sie sind das Bindeglied zwischen Kolonne und Polier, Meister oder Objektleitung.
Das Berufsbild
Was macht ein Vorarbeiter?
Ein Vorarbeiter führt eine Kolonne oder Gruppe von meist drei bis zehn Leuten. Am Morgen verteilt er die Aufgaben, erklärt die Arbeitsschritte anhand von Plänen oder Arbeitsaufträgen und sorgt dafür, dass Material, Werkzeug und Maschinen bereitstehen. Im Unterschied zum Meister oder Polier arbeitet er den größten Teil des Tages selbst mit: Er mauert, schalt, verlegt Rohre, bedient eine Anlage oder reinigt mit. Nebenbei kontrolliert er die Qualität, achtet auf Arbeitsschutz und Sicherheitsregeln, weist neue Kollegen und Auszubildende ein und schreibt Stundenzettel, Bautagesberichte oder Leistungsnachweise. Wenn etwas schiefgeht, ein Liefertermin platzt oder ein Mitarbeiter fehlt, muss er umplanen und die Vorgesetzten informieren. Vorarbeiter gibt es vor allem im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe, in der Industrie, in der Gebäudereinigung, im Garten- und Landschaftsbau und in der Logistik.
Wie wird man Vorarbeiter?
Vorarbeiter ist kein eigener Ausbildungsberuf, sondern eine Position, in die man hineinwächst. Üblich ist eine abgeschlossene Berufsausbildung im jeweiligen Fach, etwa als Maurer, Beton- und Stahlbetonbauer, Gebäudereiniger oder Industriemechaniker, und danach einige Jahre Berufserfahrung. Wer zuverlässig arbeitet und mit Kollegen gut umgehen kann, wird oft vom Betrieb selbst befördert. Viele Kammern und Bildungszentren der Bauwirtschaft bieten Vorarbeiter-Lehrgänge an, die mit einer Prüfung abschließen und Grundlagen in Arbeitsorganisation, Mitarbeiterführung, Arbeitssicherheit und Abrechnung vermitteln. In der Gebäudereinigung und Logistik kommen auch Quereinsteiger ohne Fachausbildung in die Rolle, wenn sie lange im Betrieb sind und die Abläufe kennen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich meist genauso anstrengend wie die der Kolonne: Heben, Tragen, Arbeiten bei Hitze, Kälte und Regen auf dem Bau, Schichtarbeit in der Industrie, frühe Morgen- oder späte Abendstunden in der Reinigung. Hinzu kommt die Verantwortung. Ein Vorarbeiter steht zwischen zwei Seiten: Die Vorgesetzten erwarten Tempo und Termintreue, die Kollegen erwarten Rückhalt und faire Einteilung. Konflikte im Team, Leute, die nicht pünktlich kommen, oder Sprachbarrieren in gemischten Kolonnen gehören zum Alltag. Auf Baustellen kommen Montageeinsätze mit Übernachtung und lange Anfahrten hinzu. Der zusätzliche Verdienst gegenüber einem erfahrenen Facharbeiter fällt oft geringer aus, als die zusätzliche Verantwortung vermuten lässt.
Aussichten
Gute Vorarbeiter werden in nahezu allen handwerklichen und gewerblichen Branchen gesucht, weil der Fachkräftemangel gerade die erfahrenen Kräfte betrifft, die eine Gruppe führen können. Die Stelle ist häufig die erste Stufe der Führungslaufbahn. Auf dem Bau führt der Weg weiter zum Werkpolier und mit einer Fortbildung zum Geprüften Polier, im Handwerk zum Meister, in der Industrie über die Fortbildung zum Industriemeister in die Schichtleitung. In der Gebäudereinigung ist der nächste Schritt oft die Objektleitung. Wer diese Fortbildungen nicht anstrebt, bleibt in vielen Betrieben langfristig in der Rolle und wird dort als erfahrene Stütze geschätzt.
Aufgaben
- Arbeitskräfte der Kolonne morgens einteilen und Arbeitsschritte erklären
- Material, Werkzeug und Maschinen bereitstellen oder anfordern
- selbst in der Ausführung mitarbeiten
- Qualität der Arbeit und Einhaltung von Plänen kontrollieren
- auf Arbeitsschutz und Sicherheitsvorschriften achten
- neue Mitarbeiter und Auszubildende anlernen
- Stundenzettel, Tagesberichte und Leistungsnachweise führen
- Probleme und Verzögerungen an Polier, Meister oder Objektleitung melden
Voraussetzungen
- abgeschlossene Berufsausbildung im jeweiligen Fach, in manchen Branchen langjährige Betriebserfahrung als Ersatz
- mehrere Jahre Berufserfahrung
- Durchsetzungsvermögen und ruhiger Umgang mit Konflikten im Team
- Fähigkeit, Pläne und Arbeitsaufträge zu lesen und umzusetzen
- körperliche Belastbarkeit und Arbeit bei jedem Wetter oder im Schichtdienst
- Führerschein Klasse B, oft auch BE oder C1 für den Transport von Material
- von Vorteil ein Vorarbeiter-Lehrgang einer Kammer oder eines Bildungszentrums
Der Weg in den Beruf
Der übliche Weg führt über eine dreijährige duale Berufsausbildung im jeweiligen Fach und danach mehrere Jahre Praxis, bevor der Betrieb die Vorarbeiterrolle überträgt. Ein berufsbegleitender Vorarbeiter-Lehrgang von einigen Wochen bis wenigen Monaten, etwa an Kammern oder Ausbildungszentren der Bauwirtschaft, schließt mit einem Zertifikat ab und erleichtert den Aufstieg.
Wo man arbeitet
- Bauunternehmen im Hoch-, Tief- und Straßenbau
- Betriebe des Ausbaugewerbes
- Industrie- und Produktionsbetriebe
- Gebäudereinigungsunternehmen
- Garten- und Landschaftsbaubetriebe
- Logistik- und Lagerbetriebe
Was du als Vorarbeiter verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 3.300 € 2.900 – 3.800 €
- Mit Berufserfahrung
- 3.700 € 3.200 – 4.300 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 4.100 € 3.500 – 4.800 €
Am stärksten hängt das Gehalt von der Branche ab: Im Bauhauptgewerbe gilt der Tarifvertrag zur Regelung der Löhne und Ausbildungsvergütungen im Baugewerbe mit einer eigenen Lohngruppe für Vorarbeiter, in der Gebäudereinigung der deutlich niedrigere Lohntarifvertrag für die Gebäudereinigung, in der Industrie die Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie oder der Chemie. Nicht tarifgebundene Kleinbetriebe zahlen oft spürbar weniger, Schicht-, Erschwernis- und Auslösezulagen kommen in vielen Betrieben hinzu.
Gehalt als Vorarbeiter nach Bundesland → Was dir in der Ausbildung zusteht →