Zugverkehrssteuerer
Zugverkehrssteuerer überwachen und lenken den Zugverkehr auf einem Streckenabschnitt von einer Betriebszentrale oder einem elektronischen Stellwerk aus. Sie stellen Fahrstraßen, regeln die Reihenfolge der Züge und greifen bei Störungen und Verspätungen ein.
Das Berufsbild
Was macht ein Zugverkehrssteuerer?
Zugverkehrssteuerer sitzen in einer Betriebszentrale oder in einem elektronischen Stellwerk vor mehreren Bildschirmen, auf denen ein Streckenabschnitt mit Gleisen, Weichen, Signalen und den Positionen der Züge abgebildet ist. Von dort aus stellen sie Fahrstraßen ein, geben Signale frei und sorgen dafür, dass Züge sicher und möglichst pünktlich durch ihren Bereich fahren. Vieles läuft automatisch über die Zuglenkung, doch sobald etwas vom Fahrplan abweicht, müssen sie entscheiden: Welcher Zug bekommt Vorrang, wo wird ein verspäteter Güterzug überholt, auf welches Gleis wird umgeleitet. Bei Störungen wie einer defekten Weiche, einem Personenunfall oder einer gesperrten Strecke ordnen sie Ersatzmaßnahmen an, sprechen sich per Funk und Telefon mit Triebfahrzeugführern, Nachbarstellwerken, Notfallmanagern und Instandhaltung ab und geben schriftliche Befehle. Jeder Vorgang wird dokumentiert. Bei Bauarbeiten auf der Strecke regeln sie Sperrungen und den Betrieb auf dem verbleibenden Gleis.
Wie wird man Zugverkehrssteuerer?
Der klassische Weg ist die dreijährige duale Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst in der Fachrichtung Fahrweg. Danach folgen meist einige Jahre als Fahrdienstleiter im Stellwerk, bevor eine Weiterqualifizierung zum Zugverkehrssteuerer in einer Betriebszentrale möglich ist. Daneben bieten die Deutsche Bahn und andere Netzbetreiber Quereinsteigern eine bezahlte Funktionsausbildung an, die je nach Stellwerkstechnik etwa neun bis zwölf Monate dauert. Voraussetzung dafür ist in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung beliebiger Richtung. Am Ende stehen eine Prüfung und eine Einweisung auf den konkreten Arbeitsplatz, die bei jedem Wechsel des Bereichs neu erfolgt. Vorher werden körperliche und psychologische Eignung durch den Bahnarzt geprüft und in regelmäßigen Abständen wiederholt.
Was der Beruf verlangt
Der Zugverkehr läuft rund um die Uhr, deshalb wird im Wechselschichtdienst gearbeitet, mit Nachtschichten, Wochenenden und Feiertagen. Wer feste Abende oder regelmäßig freie Samstage braucht, wird damit Schwierigkeiten haben. Die Arbeit ist überwiegend sitzend und körperlich leicht, aber geistig fordernd: Über Stunden muss die Aufmerksamkeit hoch bleiben, auch wenn wenig passiert, und im Störungsfall müssen in kurzer Zeit mehrere Entscheidungen fallen, während Telefon und Funk gleichzeitig anschlagen. Fehler können Menschenleben gefährden, entsprechend streng sind Regelwerke und Kontrollen. Belastend sind außerdem Ereignisse wie Unfälle an Bahnübergängen oder Suizide auf der Strecke, die über den Bildschirm und Funk unmittelbar miterlebt werden. In vielen Regionen fehlt Personal, was zu Überstunden und kurzfristig getauschten Schichten führt.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und dürfte es bleiben. In den kommenden Jahren gehen viele erfahrene Kräfte in Rente, gleichzeitig soll der Schienenverkehr wachsen. Immer wieder müssen Stellwerke zeitweise schließen, weil Personal fehlt, was die Netzbetreiber zu dauerhaften Einstellungen und Ausbildungsoffensiven drängt. Die Technik verändert sich: Alte mechanische und Relaisstellwerke werden durch digitale Stellwerke ersetzt und die Steuerung in Betriebszentralen gebündelt. Das verlagert Arbeitsplätze an wenige Standorte, macht den Beruf aber nicht überflüssig. Erfahrene Zugverkehrssteuerer können sich zum Disponenten, Netzkoordinator oder Notfallmanager weiterentwickeln, als Ausbilder arbeiten oder eine Teamleitung in der Betriebszentrale übernehmen.
Aufgaben
- Fahrstraßen einstellen und Signale freigeben
- Zugbewegungen auf dem Streckenbild überwachen
- Reihenfolge und Gleisbelegung bei Verspätungen festlegen
- Störungen erkennen und Ersatzmaßnahmen anordnen
- Schriftliche Befehle an Triebfahrzeugführer erteilen
- Mit Nachbarstellwerken, Notfallmanagement und Instandhaltung kommunizieren
- Gleissperrungen für Bauarbeiten einrichten und aufheben
- Betriebliche Vorgänge im Betriebstagebuch dokumentieren
Voraussetzungen
- Abgeschlossene Berufsausbildung, bevorzugt als Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Fahrweg
- Bestandene bahnärztliche Tauglichkeitsuntersuchung mit Prüfung von Sehvermögen, Farbsehen und Gehör
- Psychologische Eignung, insbesondere Konzentration und Belastbarkeit
- Bereitschaft zu Wechselschicht, Nachtarbeit und Wochenenddienst
- Sichere Deutschkenntnisse in Wort und Schrift für den Funk- und Befehlsverkehr
- Sorgfalt und Fähigkeit, auch unter Zeitdruck regelkonform zu entscheiden
Der Weg in den Beruf
Üblich ist die dreijährige duale Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Fahrweg, oft gefolgt von einigen Jahren als Fahrdienstleiter und einer Weiterqualifizierung für die Betriebszentrale. Quereinsteiger mit abgeschlossener Berufsausbildung können eine bezahlte Funktionsausbildung von etwa neun bis zwölf Monaten beim Netzbetreiber absolvieren, die mit einer Prüfung und einer arbeitsplatzbezogenen Einweisung endet.
Wo man arbeitet
- Betriebszentralen der Eisenbahninfrastruktur
- Elektronische und digitale Stellwerke
- Nichtbundeseigene Eisenbahninfrastrukturunternehmen
- Werks- und Hafenbahnen
Was du als Zugverkehrssteuerer verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 3.550 € 3.300 – 3.800 €
- Mit Berufserfahrung
- 4.000 € 3.700 – 4.300 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 4.500 € 4.100 – 5.000 €
Bei der Deutschen Bahn richtet sich die Bezahlung nach den mit der EVG abgeschlossenen Tarifverträgen, vor allem dem Funktionsgruppenspezifischen Tarifvertrag (FGr-TV), wobei die Einstufung von der Komplexität des Stellbereichs abhängt. Durch Zulagen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsschichten liegt das tatsächliche Einkommen im Schichtdienst spürbar über den Grundwerten; bei kleineren Netzbetreibern gelten eigene Haustarife, die teils niedriger ausfallen.
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