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Studium und Job

Praktikum: welches sich lohnt und welches du dir sparen kannst

Pflicht oder freiwillig, bezahlt oder nicht – der Unterschied steht im Mindestlohngesetz. Und fünf Fragen, die vor der Zusage klären, ob es ein Lernort ist.

5 min von Steven Schulz


Ein Praktikum ist die billigste Möglichkeit, eine teure Entscheidung zu prüfen. Sechs Wochen in einem Beruf sagen dir mehr über ihn als jede Beschreibung, jedes Video und jede Erzählung – und wenn die Antwort „nein“ lautet, hast du sechs Wochen investiert statt drei Jahre.

Deshalb ist die richtige Frage nicht, ob man ein Praktikum macht, sondern welches. Denn zwischen einem guten und einem schlechten liegt der ganze Unterschied zwischen Ausbildung und Aushilfsarbeit.

Erst die Rechtslage, weil sie über das Geld entscheidet

Ob dir Mindestlohn zusteht, hängt nicht vom Betrieb ab, sondern von der Art des Praktikums. § 22 Abs. 1 Mindestlohngesetz nennt die Fälle, in denen kein Mindestlohn gilt:

  • Pflichtpraktikum aufgrund einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung oder einer ähnlichen Regelung – unabhängig von der Dauer.
  • Orientierungspraktikum bis zu drei Monaten, um eine Ausbildung oder ein Studium zu wählen.
  • Begleitendes Praktikum bis zu drei Monaten, parallel zu Ausbildung oder Studium, sofern noch kein solches Praktikum bei demselben Arbeitgeber bestand.
  • Einstiegsqualifizierung oder Berufsausbildungsvorbereitung nach dem Berufsbildungsgesetz.

Alles andere ist mindestlohnpflichtig. Und zwei Punkte daran werden regelmäßig falsch erzählt:

Ein freiwilliges Praktikum über drei Monate ist vom ersten Tag an mindestlohnpflichtig – nicht erst ab dem vierten Monat. Die drei Monate sind eine Bedingung für die Ausnahme, keine Freistellung für den Anfang. Wer also vier Monate freiwillig arbeitet, hat Anspruch auf Mindestlohn für alle vier.

Ein Pflichtpraktikum darf unbezahlt sein, muss es aber nicht. Viele Betriebe zahlen freiwillig, und zwischen null und mehreren hundert Euro im Monat liegen nur Verhandlung und Branche. Fragen kostet nichts, und die Frage ist nicht unverschämt.

Der Vertrag: ja, den gibt es

Ein Praktikumsverhältnis ist kein rechtsfreier Raum. Für Praktika außerhalb einer Berufsausbildung schreibt § 2 Abs. 1a Nachweisgesetz vor, dass der Arbeitgeber die wesentlichen Bedingungen schriftlich niederlegt: Lernziel, Beginn und Dauer, Arbeitszeit, Vergütung, Urlaub. Und § 26 Berufsbildungsgesetz stellt klar, dass für solche Vertragsverhältnisse ein Teil der Ausbildungsvorschriften ohnehin gilt.

Das heißt praktisch: Du hast Anspruch auf Urlaub (anteilig nach dem Bundesurlaubsgesetz), auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, und du bist unfallversichert. Wer dir eine „Vereinbarung“ ohne Stundenzahl und ohne Vergütungsangabe vorlegt, kennt die Vorschriften nicht oder umgeht sie.

Und ein Punkt, den man später braucht: Verlang am Ende ein Zeugnis. Auch ein Praktikumszeugnis. Es ist der Beleg, ohne den drei Monate im Lebenslauf eine Behauptung sind – siehe Lebenslauf ohne Berufserfahrung.

Fünf Fragen, die ein gutes Praktikum von einem schlechten trennen

Stell sie vor der Zusage, in einer Mail oder am Telefon. Die Antworten sagen dir mehr als jede Karriereseite:

  1. „Was werde ich in den ersten zwei Wochen konkret tun?“ Wer das nicht beantworten kann, hat keinen Plan, und dann wirst du das, was gerade anfällt.
  2. „Wer ist mein Ansprechpartner, und sitzt diese Person im selben Raum?“ Ein Praktikum ohne zuständige Person ist ein Praktikum ohne Anleitung.
  3. „Arbeite ich an echten Aufgaben oder an Übungsaufgaben?“ Beides kann gut sein. Aber es ist ein Unterschied, den du kennen solltest.
  4. „Gibt es eine Vergütung, und wie hoch?“ Sachfrage, sachliche Antwort. Wenn die Antwort ausweicht, ist es meist eine Null.
  5. „Wie viele Praktikanten habt ihr gleichzeitig?“ Bei zwei von zwanzig Mitarbeitenden lernst du etwas. Bei acht von zwanzig bist du Teil des Geschäftsmodells.

Woran du ein schlechtes erkennst, wenn du schon drin bist

Nicht jedes Praktikum, das anstrengend ist, ist schlecht – langweilige Arbeit gehört zu jedem Beruf, und wer nur Höhepunkte erwartet, bekommt ein falsches Bild. Die Warnzeichen sind andere:

  • Du machst nach vier Wochen genau dasselbe wie in Woche eins.
  • Du ersetzt erkennbar eine feste Stelle, die nicht besetzt wird.
  • Niemand kontrolliert deine Arbeit – ein sicheres Zeichen, dass sie nicht wichtig ist.
  • Du arbeitest mehr als vereinbart, und niemand spricht darüber.
  • Es wird dir ein „Übernahmeversprechen“ als Ersatz für Vergütung angeboten.

Wenn zwei oder mehr davon zutreffen: Sprich es an, einmal, freundlich und konkret. Ändert sich nichts, beende es. Ein abgebrochenes freiwilliges Praktikum steht in keinem Register, und du musst es auch nicht in den Lebenslauf schreiben.

Welche Praktika sich wirklich lohnen

Nach Nutzen sortiert, und zwar für einen Einstieg ohne Berufserfahrung:

Das Orientierungspraktikum vor der Entscheidung. Zwei bis sechs Wochen in dem Beruf, den du erwägst, am besten in den Ferien. Das ist das Praktikum mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ertrag in diesem ganzen Bereich, und die wenigsten machen es.

Das Pflichtpraktikum, bei dem du den Betrieb selbst aussuchst. Wenn es ohnehin sein muss, dann in einem Unternehmen, bei dem du später arbeiten willst. Sehr viele Einstiege laufen später über diesen Kontakt.

Das lange, bezahlte Fachpraktikum im Studium. Sechs Monate mit Mindestlohn oder mehr, echtes Projekt, Zeugnis. Das ist im Lebenslauf so gut wie ein Jahr Arbeit.

Wenig Wert hat: das dritte unbezahlte Praktikum in derselben Branche. Ab dem zweiten ist die Information, die du kaufst, nicht mehr neu – dann ist eine Werkstudentenstelle oder ein Direkteinstieg der richtige nächste Schritt. Praktika sind zum Ausprobieren da, nicht zum Sammeln.

Wo es Praktika gibt, und wie sie sich verteilen

Praktika sind nicht gleich verteilt. In Marketing, Personal und Recht sind sie der übliche Einstieg – dort kommt man kaum anders herein. Im Handwerk und in der Gesundheit gibt es sie seltener, weil dort die Ausbildung der Weg ist; ein Praktikum ist da eher ein Schnuppertag als eine Station.

Die Zahlen dazu stehen auf jeder Feldseite. Wenn dein Feld nur eine Handvoll Praktika führt, ist das keine schlechte Nachricht: es heißt, dass du dort direkt in etwas Bezahltes einsteigen kannst.

Die kurze Fassung

Pflichtpraktikum: kein Mindestlohn, egal wie lang. Freiwillig bis drei Monate: kein Mindestlohn. Freiwillig darüber: Mindestlohn ab dem ersten Tag. Immer: schriftliche Bedingungen, Urlaub, Zeugnis. Vor der Zusage die fünf Fragen stellen. Und nach dem zweiten Praktikum in derselben Richtung aufhören, Praktika zu machen, und anfangen, Geld zu verdienen.

Was heute offen ist: Praktikum.

Und jetzt?

Wissen hilft beim Entscheiden, nicht beim Anfangen. In der Liste stehen heute alle Stellen, für die niemand Berufserfahrung von dir verlangt.

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