Abiturientenprogramm Handelsfachwirt
Ein Ausbildungsprogramm für Abiturientinnen und Abiturienten im Handel, das in etwa drei Jahren die Ausbildung zur Kauffrau oder zum Kaufmann im Einzelhandel mit der Fortbildung zum Handelsfachwirt (IHK) verbindet. Es bereitet gezielt auf Führungsaufgaben in Filialen und Märkten vor.
Das Berufsbild
Was macht man im Abiturientenprogramm Handelsfachwirt?
Das Programm ist kein eigener Beruf, sondern ein verdichteter Ausbildungsweg, den große Handelsunternehmen wie Lebensmittel- und Drogeriemarktketten, Discounter, Baumärkte oder Modehändler anbieten. In der ersten Phase arbeiten die Teilnehmenden wie Auszubildende im Einzelhandel: Ware annehmen und kontrollieren, Regale verräumen, Preise auszeichnen, an der Kasse kassieren, Kundschaft beraten, Frischeabteilungen pflegen und Inventuren mitmachen. Nach der Kaufmannsprüfung verschiebt sich der Schwerpunkt. Dann geht es um Personaleinsatzplanung, Bestellmengen, Umsatz- und Kostenkennzahlen, Warenpräsentation, die Anleitung von Aushilfen und Auszubildenden sowie um die Vertretung der Filialleitung. Viele Teilnehmende übernehmen schon während des Programms zeitweise die Verantwortung für einen Markt.
Wie wird man Handelsfachwirt im Abiturientenprogramm?
Voraussetzung ist in der Regel das Abitur oder die Fachhochschulreife. Die Bewerbung läuft direkt beim Handelsunternehmen, oft mit Online-Test und Auswahltag. Der Ablauf dauert meist drei Jahre: Nach etwa 18 Monaten steht die IHK-Abschlussprüfung zur Kauffrau oder zum Kaufmann im Einzelhandel, danach folgt die Aufstiegsfortbildung zum Geprüften Handelsfachwirt vor der IHK. Häufig ist die Ausbildereignungsprüfung nach AEVO eingeschlossen. Die Theorie wird in Berufsschule, Seminaren und Lehrgängen vermittelt, die das Unternehmen organisiert und bezahlt. Der Abschluss Handelsfachwirt entspricht im Deutschen Qualifikationsrahmen dem Niveau eines Bachelors. Ein Quereinstieg in das Programm selbst ist kaum möglich, wer bereits eine kaufmännische Ausbildung hat, kann die Fortbildung aber berufsbegleitend nachholen.
Was der Beruf verlangt
Der Alltag im Markt ist körperlich fordernd: viel Stehen und Gehen, Kartons und Rollcontainer bewegen, Arbeit in Kühlbereichen. Die Ladenöffnungszeiten bestimmen die Dienste, also Früh- und Spätschichten bis in den Abend und regelmäßig Samstagsarbeit. Das Lernpensum ist hoch, weil Prüfungsvorbereitung und Vollzeitarbeit parallel laufen. Hinzu kommt früh Verantwortung für Personal und Zahlen, oft in Filialen, die knapp besetzt sind. Wer Mitarbeitende führt, die älter und erfahrener sind, braucht Durchsetzungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Viele Unternehmen erwarten Mobilität, Einsätze in verschiedenen Filialen sind üblich, später manchmal ein Umzug. Der Leistungsdruck über Umsatzziele, Inventurdifferenzen und Kontrollbesuche ist spürbar, und nicht alle Teilnehmenden halten das Tempo bis zum Ende durch.
Aussichten
Der Handel sucht dauerhaft Nachwuchs für die Marktleitung, daher werden Absolventinnen und Absolventen meist übernommen, häufig direkt als stellvertretende Filialleitung. Nach einigen Jahren ist die Leitung einer Filiale realistisch, danach die Verantwortung für mehrere Märkte als Bezirks- oder Verkaufsleitung. Andere Wege führen in Einkauf, Category Management, Vertrieb oder Personalwesen in der Zentrale. Der Abschluss öffnet auch ohne Abitur die Tür zu einem Studium, viele nutzen ihn für einen berufsbegleitenden Bachelor in Handels- oder Betriebswirtschaft. Der wachsende Onlinehandel und die Automatisierung an Kassen verändern die Arbeit in den Filialen, Führungskräfte vor Ort werden aber weiterhin gebraucht.
Aufgaben
- Ware annehmen, prüfen und verräumen
- Kundschaft beraten und an der Kasse abrechnen
- Bestellmengen planen und Bestände kontrollieren
- Dienstpläne für das Filialteam erstellen
- Umsatz-, Personal- und Kostenkennzahlen auswerten
- Auszubildende und Aushilfen anleiten
- Die Filialleitung vertreten und Inventuren organisieren
Voraussetzungen
- Abitur oder Fachhochschulreife
- Interesse an Verkauf, Zahlen und Personalführung
- Belastbarkeit bei Vollzeitarbeit und parallelem Lernen
- Körperliche Fitness für Arbeit im Stehen und Heben von Ware
- Bereitschaft zu Schichtdienst und Samstagsarbeit
- Mobilität für Einsätze in wechselnden Filialen, oft Führerschein
Der Weg in den Beruf
Das Programm dauert in der Regel drei Jahre und beginnt mit der Ausbildung zur Kauffrau oder zum Kaufmann im Einzelhandel, die nach etwa 18 Monaten mit der IHK-Prüfung endet. Danach folgt die Fortbildung zum Geprüften Handelsfachwirt (IHK), oft ergänzt um die Ausbildereignungsprüfung. Am Ende stehen damit zwei bis drei anerkannte IHK-Abschlüsse.
Wo man arbeitet
- Lebensmittelmärkte und Discounter
- Drogeriemarktketten
- Bau- und Gartenmärkte
- Mode- und Elektronikfachhandel
- Warenhäuser
- Unternehmenszentralen von Handelsketten
Was du als Abiturientenprogramm Handelsfachwirt verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 3.300 € 2.900 – 3.900 €
- Mit Berufserfahrung
- 4.200 € 3.500 – 5.200 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 5.500 € 4.500 – 7.500 €
Während des Programms gilt die Ausbildungsvergütung, in tarifgebundenen Betrieben nach dem Entgelttarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel des jeweiligen Bundeslands; viele Ketten zahlen in Abiturientenprogrammen darüber. Danach hängt das Gehalt vor allem vom Unternehmen ab: Discounter und große Lebensmittelketten zahlen Filialleitungen deutlich mehr als kleinere Fachhändler, und Größe und Umsatz der Filiale sowie Bonusregelungen machen viel aus.
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