Geprüfter Gerüstbau-Kolonnenführer
Geprüfte Gerüstbau-Kolonnenführer leiten eine Gerüstbaukolonne auf der Baustelle, planen Auf- und Abbau von Gerüsten, sorgen für Arbeitssicherheit und sind Ansprechpartner für Bauleitung und Auftraggeber. Es handelt sich um eine handwerkliche Fortbildung, die vor der Handwerkskammer abgelegt wird.
Das Berufsbild
Was macht ein Geprüfter Gerüstbau-Kolonnenführer?
Kolonnenführer im Gerüstbau stehen zwischen Büro und Baustelle. Sie übernehmen vom Betrieb einen Auftrag, lesen Gerüstpläne und Aufbau- und Verwendungsanleitungen und legen fest, wie ein Fassaden-, Raum- oder Schutzgerüst vor Ort aufgebaut wird. Morgens teilen sie ihre Kolonne aus meist zwei bis fünf Leuten ein, prüfen Material und Fahrzeugbeladung und klären auf der Baustelle Zufahrt, Untergrund und Verankerungspunkte. Während des Aufbaus arbeiten sie in der Regel selbst mit, kontrollieren Verankerungen, Belagflächen und Seitenschutz und achten darauf, dass niemand ungesichert arbeitet. Nach der Fertigstellung prüfen sie das Gerüst, kennzeichnen es und übergeben es an den Auftraggeber. Dazu kommen Tagesberichte, Stundenzettel, Aufmaß, Absprachen mit Bauleitung und anderen Gewerken sowie die Einweisung neuer Kollegen und Auszubildender.
Wie wird man Geprüfter Gerüstbau-Kolonnenführer?
Der Abschluss ist eine Aufstiegsfortbildung nach der Handwerksordnung, die Prüfung findet vor der Handwerkskammer statt. Zugelassen wird in der Regel, wer die Gesellenprüfung als Gerüstbauer und Berufspraxis vorweisen kann. Auch eine andere abgeschlossene Ausbildung, etwa im Bauhandwerk, mit einschlägiger Praxis im Gerüstbau oder mehrjährige Berufserfahrung ohne Ausbildung können zur Zulassung führen. Auf die Prüfung bereiten Lehrgänge vor, die in Vollzeit über einige Wochen oder berufsbegleitend über mehrere Monate laufen. Inhalte sind Gerüsttechnik, Statik-Grundlagen, Arbeitsschutz, Baustellenorganisation, Kalkulation und Mitarbeiterführung. Die Kosten lassen sich häufig über das Aufstiegs-BAföG fördern.
Was der Beruf verlangt
Gerüstbau ist schwere körperliche Arbeit im Freien, bei Hitze, Kälte, Wind und Regen. Rohre, Rahmen und Beläge werden von Hand getragen und weitergereicht, gearbeitet wird in großer Höhe. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind Grundbedingung. Der Arbeitstag beginnt früh, Anfahrten zu Baustellen sind oft lang, Montage mit Übernachtung kommt vor. Als Kolonnenführer trägt man zusätzlich Verantwortung: Ein Fehler bei Verankerung oder Lastannahme kann zu schweren Unfällen führen, und die Haftung für die Sicherheit der Kolonne liegt zu einem guten Teil bei der Führungskraft auf der Baustelle. Termindruck, wechselnde Mitarbeiter und Abstimmungsprobleme mit anderen Gewerken gehören zum Alltag. Viele Beschäftigte spüren nach Jahren Rücken- und Gelenkbeschwerden, was die Frage nach einer Perspektive jenseits der reinen Montage früh wichtig macht.
Aussichten
Die Nachfrage nach Gerüsten bleibt hoch, getragen von Fassadensanierung, energetischer Gebäudemodernisierung, Industrie- und Kraftwerksbau sowie Brückensanierung. Die Branche sucht dauerhaft Fachkräfte, besonders solche, die eine Kolonne selbstständig führen können. Wer den Abschluss hat, wird in vielen Betrieben als befähigte Person für die Gerüstprüfung eingesetzt. Mögliche nächste Schritte sind die Meisterprüfung im Gerüstbauer-Handwerk, eine Tätigkeit als Bauleiter oder Arbeitsvorbereiter, die Spezialisierung auf Industrie- oder Sondergerüste oder später die Gründung eines eigenen Betriebs. Der Wechsel in planende und organisierende Aufgaben bietet zudem einen Weg, den körperlichen Anteil der Arbeit mit zunehmendem Alter zu verringern.
Aufgaben
- Kolonne einteilen und den Tagesablauf auf der Baustelle planen
- Gerüstpläne und Aufbau- und Verwendungsanleitungen lesen und umsetzen
- Untergrund, Verankerungspunkte und Lasten vor Ort beurteilen
- Gerüste mit auf- und abbauen und Verankerungen kontrollieren
- Fertige Gerüste prüfen, kennzeichnen und an Auftraggeber übergeben
- Tagesberichte, Stundennachweise und Aufmaß erstellen
- Absprachen mit Bauleitung und anderen Gewerken führen
- Neue Mitarbeiter und Auszubildende einweisen und unterweisen
Voraussetzungen
- Gesellenprüfung als Gerüstbauer oder vergleichbare Ausbildung mit Praxis im Gerüstbau
- Mehrjährige Berufserfahrung auf Gerüstbaustellen
- Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und gute körperliche Belastbarkeit
- Kenntnisse in Arbeitsschutz und Gerüstnormen
- Durchsetzungsvermögen und Fähigkeit, eine Kolonne anzuleiten
- Führerschein Klasse B, oft auch C1E oder CE für Materialtransporte
Der Weg in den Beruf
Üblich ist zuerst die dreijährige Ausbildung zum Gerüstbauer mit Gesellenprüfung und anschließender Berufspraxis. Danach folgt ein Vorbereitungslehrgang von einigen Wochen in Vollzeit oder mehreren Monaten berufsbegleitend und die Fortbildungsprüfung vor der Handwerkskammer zum Geprüften Gerüstbau-Kolonnenführer.
Wo man arbeitet
- Gerüstbaubetriebe
- Industriegerüstbau und Industrieservice-Unternehmen
- Bauunternehmen mit eigener Gerüstabteilung
- Baustellen an Wohn- und Gewerbegebäuden
- Industrieanlagen, Kraftwerke und Brückenbaustellen
Was du als Geprüfter Gerüstbau-Kolonnenführer verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 3.500 € 3.100 – 3.900 €
- Mit Berufserfahrung
- 3.800 € 3.400 – 4.300 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 4.200 € 3.700 – 4.900 €
In tarifgebundenen Betrieben gelten der Rahmentarifvertrag und der Lohntarifvertrag für das Gerüstbauer-Handwerk, die eine eigene, höhere Lohngruppe für Kolonnenführer vorsehen. Viele kleinere Betriebe zahlen nicht nach Tarif, Unterschiede entstehen zudem durch Auslösungen bei Montage, Überstunden und den besser bezahlten Industriegerüstbau.
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