Quereinsteiger mit Führungserfahrung
Menschen, die bereits ein Team geleitet haben und diese Erfahrung in eine neue Branche oder ein neues Fachgebiet mitnehmen. Typische Ziele sind Team-, Schicht-, Filial- oder Projektleitungen, in denen Führungskompetenz mehr zählt als ein bestimmter Berufsabschluss.
Das Berufsbild
Was machen Quereinsteiger mit Führungserfahrung?
Gemeint ist kein eigener Ausbildungsberuf, sondern ein Weg: Wer in einem Bereich Personalverantwortung getragen hat, etwa als Schichtleiterin in der Produktion, als Offizier bei der Bundeswehr, als Filialleiter im Handel oder als Stationsleitung in der Pflege, wechselt in eine Branche, in der er fachlich neu ist. Häufige Zielstellen sind Teamleitungen im Kundenservice, Schicht- oder Lagerleitungen in der Logistik, Filial- und Bereichsleitungen im Handel, Projektleitungen in Verwaltung und Industrie oder Leitungsstellen in sozialen Einrichtungen. Der Alltag besteht aus Dienstplänen, Mitarbeitergesprächen, Zielvereinbarungen, Kennzahlen, Abstimmungen mit der nächsthöheren Ebene und dem Lösen von Konflikten im Team. Hinzu kommt in den ersten Monaten viel Einarbeitung in Produkte, Abläufe, Software und Fachbegriffe, die das Team oft besser kennt als die neue Führungskraft.
Wie wird man Quereinsteiger mit Führungserfahrung?
Voraussetzung ist nachweisbare Führungserfahrung, meist mehrere Jahre mit disziplinarischer oder fachlicher Verantwortung für eine Gruppe. Eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium wird in den meisten Fällen erwartet, die Fachrichtung spielt aber oft eine geringere Rolle. Hilfreich sind Weiterbildungen, die Führungswissen formal belegen, etwa der Geprüfte Industriemeister, der Fachwirt bei der IHK, der Ausbildereignungsschein nach AEVO oder Zertifikate im Projektmanagement. In manchen Feldern ist ein bestimmter Abschluss Pflicht, etwa für die Leitung einer Kita oder eines Pflegedienstes. Viele steigen zunächst eine Stufe unterhalb ihrer früheren Position ein, zum Beispiel als stellvertretende Leitung, und rücken nach der Einarbeitung auf. Ehemalige Soldatinnen und Soldaten können über den Berufsförderungsdienst Weiterbildungen finanzieren lassen.
Was der Beruf verlangt
Der Wechsel ist anstrengender, als er auf dem Papier aussieht. Wer führt, ohne das Fachgebiet zu kennen, muss Autorität über Zuhören, Entscheidungsfreude und Verlässlichkeit aufbauen, nicht über Fachwissen. Misstrauen im Team gegenüber Neuen von außen ist verbreitet. Führungsstellen sind häufig außertariflich oder mit Vertrauensarbeitszeit vereinbart, Überstunden werden dann nicht gesondert bezahlt. In Handel, Logistik und Produktion gehören Früh-, Spät- und Wochenenddienste dazu, im Projektgeschäft Termindruck und Reisen. Personalmangel trifft Führungskräfte doppelt: Sie müssen Lücken im Dienstplan schließen und springen oft selbst ein. Bewerbungen scheitern nicht selten daran, dass Personalabteilungen nach Branchenerfahrung filtern, daher braucht es Geduld und eine gut begründete Darstellung der eigenen Erfahrung.
Aussichten
Die Nachfrage nach Menschen, die Teams zusammenhalten können, ist hoch, weil viele erfahrene Führungskräfte in den kommenden Jahren in Rente gehen. Besonders gute Chancen bestehen in Logistik, Handel, Kundenservice, Sozialwirtschaft und im öffentlichen Dienst, der Quereinstiege zunehmend zulässt. Nach der Einarbeitung führen Wege in größere Verantwortungsbereiche wie Abteilungs-, Standort- oder Regionalleitung. Wer fachlich nachzieht, etwa mit einem berufsbegleitenden Studium, kann auch in spezialisierte Leitungsstellen wechseln. Ein Gehaltsrückgang beim Wechsel ist allerdings möglich, wenn die neue Branche niedriger bezahlt als die alte.
Aufgaben
- Dienst- und Schichtpläne erstellen und Personaleinsatz steuern
- Mitarbeitergespräche, Zielvereinbarungen und Beurteilungen führen
- Kennzahlen wie Umsatz, Durchlaufzeiten oder Krankenstand auswerten
- Neue Mitarbeitende einstellen und einarbeiten
- Konflikte im Team klären und Entscheidungen vertreten
- Abläufe und Fachwissen der neuen Branche erlernen
- Mit Geschäftsleitung, Kunden und anderen Abteilungen abstimmen
Voraussetzungen
- Mehrjährige nachweisbare Führungserfahrung mit Personalverantwortung
- Abgeschlossene Berufsausbildung oder Studium, in manchen Feldern ein bestimmter Pflichtabschluss
- Bereitschaft, sich schnell in neue Fachgebiete und Software einzuarbeiten
- Durchsetzungsvermögen, Gesprächsführung und Konfliktfähigkeit
- Belastbarkeit bei Termindruck und wechselnden Arbeitszeiten
- Vorteilhaft: Weiterbildung wie Meister, Fachwirt, AEVO oder Projektmanagement-Zertifikat
Der Weg in den Beruf
Einen festen Ausbildungsweg gibt es nicht; üblich sind eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium und einige Jahre Führungserfahrung in einem anderen Bereich. Fehlende formale Belege lassen sich über IHK-Weiterbildungen wie Fachwirt oder Meister ausgleichen, die berufsbegleitend etwa ein bis zwei Jahre dauern. Der Einstieg erfolgt häufig über eine stellvertretende Leitung mit mehrmonatiger Einarbeitung.
Wo man arbeitet
- Einzelhandelsketten und Filialbetriebe
- Logistikzentren und Speditionen
- Callcenter und Kundenserviceabteilungen
- Industrie- und Produktionsbetriebe
- Soziale Einrichtungen und Wohlfahrtsverbände
- Behörden und öffentliche Verwaltung
Was du als Quereinsteiger mit Führungserfahrung verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 3.900 € 3.000 – 5.200 €
- Mit Berufserfahrung
- 4.600 € 3.600 – 6.200 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 6.000 € 4.500 – 8.500 €
Das Gehalt hängt vor allem von der Zielbranche, der Betriebsgröße und der Zahl der geführten Mitarbeitenden ab: Leitungen im Einzelhandel oder Kundenservice liegen deutlich unter Projekt- oder Bereichsleitungen in der Industrie. Im öffentlichen Dienst richtet es sich nach TVöD oder TV-L, im Handel nach dem Tarifvertrag für den Einzelhandel des jeweiligen Bundeslandes, viele Führungsstellen werden aber außertariflich vergütet.
Gehalt als Quereinsteiger mit Führungserfahrung nach Bundesland → Was dir in der Ausbildung zusteht →
Gerade keine Anzeige zu diesem Beruf.
Das heißt nicht, dass niemand sucht – nur, dass heute nichts davon bei uns steht. Der Katalog bleibt trotzdem stehen, denn ein Beruf lebt länger als eine Anzeige.