Versicherungswirtschaft
Fachleute in der Versicherungswirtschaft beraten Kundschaft zu Versicherungen und Vorsorge, prüfen Anträge, bearbeiten Schäden und betreuen Verträge. Gearbeitet wird im Innendienst einer Versicherung oder im Vertrieb bei Agenturen und Maklern.
Das Berufsbild
Was macht man in der Versicherungswirtschaft?
Der klassische Einstieg ist der Beruf Kaufmann oder Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen. Im Innendienst eines Versicherers prüfen diese Fachleute Anträge, schätzen Risiken ein, legen Beiträge fest und stellen Policen aus. In der Schadenabteilung nehmen sie Meldungen über Wasserschäden, Autounfälle oder Einbrüche entgegen, fordern Belege und Gutachten an, prüfen anhand der Vertragsbedingungen, ob und in welcher Höhe gezahlt wird, und lehnen unberechtigte Forderungen ab. Andere arbeiten in der Vertragsverwaltung, im Kundenservice am Telefon oder in der Betreuung von Maklern. Im Vertrieb, also in Agenturen, bei Maklern oder im Außendienst, steht die Beratung im Vordergrund: Bedarf ermitteln, Tarife vergleichen, Angebote erstellen, Verträge abschließen und bestehende Kunden über Jahre betreuen. Ein großer Teil der Arbeit findet am Bildschirm in Verwaltungsprogrammen statt, dazu kommen Telefonate, E-Mails und Beratungsgespräche.
Wie wird man Fachkraft in der Versicherungswirtschaft?
Die duale Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen dauert drei Jahre, mit Abitur oder guten Leistungen oft zweieinhalb. Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, die meisten Betriebe stellen aber Bewerberinnen und Bewerber mit Fachhochschulreife oder Abitur ein. Wer Versicherungen selbstständig vermitteln will, braucht eine Erlaubnis nach § 34d Gewerbeordnung und den Sachkundenachweis der IHK; die Ausbildung ersetzt diese Prüfung. Daneben gibt es duale Studiengänge und Bachelorstudiengänge in Versicherungswirtschaft oder Versicherungsmanagement. Quereinsteiger kommen häufig über den Vertrieb hinein, etwa mit der Qualifizierung zur Geprüften Versicherungsfachfrau oder zum Geprüften Versicherungsfachmann. Auch Bankkaufleute und andere kaufmännische Fachkräfte wechseln regelmäßig in die Branche.
Was der Beruf verlangt
Im Innendienst sind die Arbeitszeiten geregelt, Gleitzeit und mobiles Arbeiten sind bei großen Versicherern verbreitet. Die Arbeit ist sitzend und bildschirmlastig, Vorgänge wiederholen sich, und Versicherungsbedingungen und Rechtsvorschriften verlangen genaues Lesen. In der Schadenbearbeitung müssen Ablehnungen gegenüber verärgerten oder aufgewühlten Menschen vertreten werden. Nach Unwettern oder Großschäden steigt die Arbeitslast deutlich. Im Vertrieb ist die Belastung eine andere: Abschlussziele, provisionsabhängiges Einkommen, Termine am Abend und am Wochenende, und wenn Verträge früh gekündigt werden, müssen Provisionen zurückgezahlt werden. Wer im Außendienst arbeitet, muss Absagen aushalten und sich einen Kundenstamm erst aufbauen. Regelmäßige Weiterbildung ist für Vermittler gesetzlich vorgeschrieben.
Aussichten
Die Branche sucht Nachwuchs, weil viele Beschäftigte in den kommenden Jahren in Rente gehen. Zugleich verändert die Digitalisierung die Arbeit stark: Einfache Anträge und kleine Schäden werden zunehmend automatisch bearbeitet, Stellen in der reinen Sachbearbeitung werden abgebaut oder verlagert. Gefragt sind deshalb Fachleute für komplexe Fälle, Großkunden, Gewerbeversicherungen, Datenanalyse und Beratung. Wege nach oben führen über die Weiterbildung zum Fachwirt oder zur Fachwirtin für Versicherungen und Finanzen, weiter zum Versicherungsbetriebswirt oder über ein berufsbegleitendes Studium. Danach sind Spezialisierungen etwa im Underwriting, im Regulieren großer Schäden oder Führungsaufgaben möglich. Im Vertrieb ist die Gründung einer eigenen Agentur oder eines Maklerbüros ein häufiger Weg.
Aufgaben
- Versicherungsanträge prüfen und Risiken einschätzen
- Beiträge berechnen und Verträge ausstellen
- Schadenmeldungen aufnehmen, Belege prüfen und Leistungen festsetzen
- Kundschaft zu Haftpflicht, Kfz, Wohngebäude und Altersvorsorge beraten
- Angebote erstellen und Tarife verschiedener Anbieter vergleichen
- Bestehende Verträge anpassen, Kündigungen und Änderungen bearbeiten
- Gutachter, Werkstätten und Anwälte bei Schadenfällen koordinieren
Voraussetzungen
- Meist Fachhochschulreife oder Abitur, mindestens ein guter mittlerer Schulabschluss
- Sicherer Umgang mit Zahlen und Freude an genauen Texten und Regeln
- Klare mündliche und schriftliche Ausdrucksweise
- Gelassenheit im Umgang mit unzufriedener oder belasteter Kundschaft
- Für die Vermittlung: Erlaubnis nach § 34d GewO mit Sachkundenachweis
- Im Vertrieb: Abschlussorientierung und Belastbarkeit bei Zielvorgaben
Der Weg in den Beruf
Üblich ist die dreijährige duale Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzanlagen mit Abschlussprüfung vor der IHK, bei guten Leistungen verkürzt auf zweieinhalb Jahre. Alternativ führen ein duales oder klassisches Bachelorstudium der Versicherungswirtschaft in sechs bis sieben Semestern in die Branche. Quereinsteiger im Vertrieb erwerben meist den Sachkundenachweis der IHK als Geprüfte Versicherungsfachfrau oder Geprüfter Versicherungsfachmann.
Wo man arbeitet
- Versicherungsunternehmen
- Versicherungsagenturen
- Versicherungsmakler
- Banken und Sparkassen mit Versicherungsvertrieb
- Rückversicherer
- Vergleichsportale und Assekuradeure
Was du als Versicherungswirtschaft verdienst
Monatsbrutto in Euro, bundesweit, nach Berufserfahrung.
- Berufseinstieg
- 3.400 € 3.100 – 3.800 €
- Mit Berufserfahrung
- 4.200 € 3.700 – 4.800 €
- Mit langjähriger Erfahrung
- 5.500 € 4.700 – 7.000 €
Im Innendienst der meisten Versicherer gilt der Tarifvertrag für das private Versicherungsgewerbe zwischen AGV und ver.di, der feste Gehaltsgruppen und Sonderzahlungen vorsieht; Agenturen und Makler sind oft nicht tarifgebunden und zahlen weniger Grundgehalt. Im Vertrieb hängt das Einkommen stark von Provisionen ab und kann je nach Kundenstamm weit unter oder deutlich über diesen Werten liegen.
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