Zur Liste springen
jobampel.de

10.818 Stellen ohne verlangte Berufserfahrung · 2.569 Unternehmen · Stand 05:16 Uhr

Bewerbung

Dein erstes Vorstellungsgespräch: Ablauf, Fragen, Kleidung

Ein Gespräch dauert eine halbe bis eine Stunde und hat einen erstaunlich festen Ablauf. Was in jeder Phase passiert, welche Fragen kommen und welche du stellen solltest.

5 min von Steven Schulz


Die gute Nachricht zuerst: Ein Vorstellungsgespräch ist kein Verhör und kein Test, den man bestehen oder nicht bestehen kann. Es ist ein Termin, an dem zwei Seiten herausfinden wollen, ob sie zusammenarbeiten können – und in einem Arbeitsmarkt, in dem in vielen Feldern Bewerber fehlen, sitzt dir keine Instanz gegenüber, sondern jemand, der eine Stelle besetzen muss.

Die zweite gute Nachricht: Der Ablauf ist fast immer derselbe. Man kann ihn durchgehen, und dann verliert der Termin seine Unberechenbarkeit.

Der Ablauf, in fünf Phasen

1. Ankommen und Small Talk (5 Minuten). Begrüßung, Weg, Wetter, ein Getränk. Das ist keine verlorene Zeit – hier entscheidet sich der Eindruck, ob man sich mit dir unterhalten kann. Nimm das Getränk an, auch wenn du keinen Durst hast; es gibt dir etwas zu tun mit den Händen.

2. Das Unternehmen stellt sich vor (5–10 Minuten). Wer wir sind, was die Stelle ist. Hör zu und merk dir eine Sache, auf die du später zurückkommen kannst. Notizen machen ist erlaubt und wirkt gut – bring Block und Stift mit.

3. Du stellst dich vor (5–10 Minuten). Der Teil, den man vorbereiten kann und sollte. Dazu gleich mehr.

4. Fragen an dich (10–20 Minuten). Der Hauptteil.

5. Deine Fragen, Organisatorisches, Abschluss (10 Minuten). Ablauf danach, Termin der Entscheidung, eventuell ein Rundgang. Hier stellst du deine Fragen, und zwar zwei oder drei.

Die vier Fragen, die fast immer kommen

„Erzählen Sie doch mal etwas über sich.“ Die häufigste, und die, bei der die meisten in Verlegenheit geraten. Gemeint ist nicht deine Lebensgeschichte, sondern zwei Minuten: Wo du jetzt stehst (Schule, Abschluss, Zeitpunkt), was du bisher gemacht hast, das mit dieser Stelle zu tun hat, und warum du hier bist. Zwei Minuten, laut geübt, nicht auswendig gelernt. Es ist die einzige Antwort, die man wirklich vorbereiten sollte.

„Warum dieser Beruf?“ Hier zählt eine ehrliche, konkrete Geschichte mehr als ein guter Grund. „Mein Onkel hat eine Werkstatt und ich habe da zwei Sommer mitgeholfen“ ist eine bessere Antwort als jede Ausführung über Zukunftsbranchen.

„Warum wir?“ Etwas, das auf diesen Betrieb passt und nicht auf jeden. Das musst du vorher nachgesehen haben – zehn Minuten auf der Website reichen.

„Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“ Bei den Stärken zwei nennen, jede mit einem Beispiel. Bei den Schwächen eine echte, die nicht die Arbeit unmöglich macht, plus was du dagegen tust: „Ich rede in großen Gruppen wenig. In der Schülervertretung habe ich mich deshalb gemeldet, Protokoll zu führen, und musste dann berichten.“ Keine getarnten Stärken („Ich bin zu perfektionistisch“) – das erkennt jeder, und es kostet Glaubwürdigkeit.

Dazu häufig: „Wie sind Sie auf uns gekommen?“, „Was wissen Sie über den Beruf?“, „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ (bei einer Ausbildung völlig legitim zu beantworten mit: „ausgelernt, in diesem Beruf arbeiten, danach vielleicht Weiterbildung“).

Welche Fragen niemand stellen darf

Nicht alles darf gefragt werden. Unzulässig – und du darfst darauf sogar falsch antworten, ohne dass es dir später schadet:

  • Schwangerschaft und Familienplanung
  • Religion und Parteizugehörigkeit
  • Gewerkschaftsmitgliedschaft
  • sexuelle Orientierung
  • Krankheiten, soweit sie für die Tätigkeit ohne Bedeutung sind
  • Vermögensverhältnisse, Schulden

Zulässig sind dagegen Fragen, die mit der Arbeit unmittelbar zu tun haben: eine Farbsehschwäche bei Elektroarbeiten, eine Allergie bei Lebensmitteln, ein Führerschein im Außendienst, bei Jugendlichen die Untersuchung nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz.

Wenn eine unzulässige Frage kommt, brauchst du keine Konfrontation. „Das hat mit der Stelle nichts zu tun, oder?“ reicht – und es ist gleichzeitig eine Information über den Betrieb.

Deine Fragen – zwei oder drei, vorher aufgeschrieben

Kein Gespräch endet gut, wenn du auf „Haben Sie noch Fragen?“ mit „Nein“ antwortest. Es ist die letzte Gelegenheit zu zeigen, dass du wirklich über die Stelle nachgedacht hast. Brauchbare Fragen:

  • „Wie sehen die ersten Wochen aus – wer zeigt mir die Arbeit?“
  • „Was machen Ihre Auszubildenden nach der Prüfung – werden sie übernommen?“
  • „Wie ist ein normaler Tag eingeteilt?“
  • „Welche Abteilungen sehe ich im Laufe der Ausbildung?“
  • „Wie geht es nach diesem Gespräch weiter, und bis wann entscheiden Sie?“

Nicht als erste Frage: Urlaub und Überstundenregelung. Nach Geld darfst du fragen, und bei einer Ausbildung ist es eine reine Sachfrage – meist steht es aber schon in der Anzeige, siehe Ausbildungsvergütung.

Kleidung: eine Stufe über dem Alltag im Betrieb

Die brauchbarste Regel: Zieh dich eine Stufe ordentlicher an, als man dort täglich arbeitet.

Werkstatt, Lager, Küche, Bau: saubere Jeans, einfaches Hemd oder Bluse, geschlossene Schuhe. Kein Anzug – er wirkt dort fremd. Büro, Verwaltung, Bank, Versicherung: Hemd oder Bluse, Stoffhose, geschlossene Schuhe; ein Sakko schadet nie. Bei Bank und Versicherung ist ein Anzug oder ein Kostüm angemessen.

Was in jedem Feld gilt: sauber, gebügelt, nicht neu gekauft und ungewohnt. Du sollst dich bewegen können, ohne darüber nachzudenken.

Organisatorisch, damit der Tag nicht an einer Kleinigkeit hängt

  • Weg vorher prüfen und eine Stunde Puffer einplanen. Zehn Minuten vor dem Termin da sein, nicht dreißig.
  • Nimm die Unterlagen mit: Lebenslauf, Zeugnisse, den Namen deiner Ansprechperson, Block und Stift.
  • Handy aus. Nicht stumm, aus.
  • Wenn du dich verspätest, ruf an, sobald du es weißt. Ein Anruf verwandelt eine Katastrophe in einen Umstand.
  • Bei Videogesprächen: Technik einen Tag vorher testen, Licht von vorn, ruhiger Hintergrund, Name im Konferenzprogramm richtig geschrieben.

Danach

Ein kurzes Dankeschön per Mail am selben oder nächsten Tag ist keine Pflicht, wird aber gern gelesen – zwei Sätze reichen. Nenne dabei etwas Konkretes aus dem Gespräch, damit man sieht, dass es keine Vorlage ist.

Wenn nach dem genannten Termin nichts kommt, darfst du nachfragen. Freundlich, einmal, am Telefon. Das gilt nicht als Drängen, sondern als Interesse.

Und wenn es eine Absage gibt: Frag nach dem Grund. Nicht jeder antwortet, aber wer antwortet, gibt dir die nützlichste Information, die in diesem ganzen Verfahren zu holen ist. Und dann weiter – die meisten Menschen brauchen mehr als eine Bewerbung, und das ist völlig normal.

Wo die nächste steht: in der Liste. Was vorher dazugehört: Lebenslauf und Anschreiben.

Und jetzt?

Wissen hilft beim Entscheiden, nicht beim Anfangen. In der Liste stehen heute alle Stellen, für die niemand Berufserfahrung von dir verlangt.

Weiterlesen

Artikel Thema Erschienen Lesezeit
Lebenslauf ohne Berufserfahrung: was rein muss und was nicht Eine Seite, umgekehrt chronologisch, keine Lücken, kein Foto-Zwang. Was eine leere Berufserfahrung ersetzt und welche fünf Zeilen 2026 niemand mehr braucht. Bewerbung 5 min
Das Anschreiben für deine erste Bewerbung Eine halbe Seite, vier Absätze, kein Kraftausdruck von Motivation. Was in den vier Absätzen steht, welche Sätze du streichen solltest und wie du den ersten findest. Bewerbung 5 min
Keine Berufserfahrung? Das sind deine sechs Wege in den Job Ausbildung, duales Studium, Direkteinstieg, Praktikum, Werkstudentenstelle, Trainee – was die sechs Wege unterscheidet, was sie dir zahlen und was sie dich kosten. Orientierung 8 min