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10.818 Stellen ohne verlangte Berufserfahrung · 2.569 Unternehmen · Stand 05:16 Uhr

Bewerbung

Das Anschreiben für deine erste Bewerbung

Eine halbe Seite, vier Absätze, kein Kraftausdruck von Motivation. Was in den vier Absätzen steht, welche Sätze du streichen solltest und wie du den ersten findest.

5 min von Steven Schulz


Das Anschreiben hat einen schlechten Ruf, und zwar bei beiden Seiten: Bewerber quälen sich damit, und Personalverantwortliche lesen es oft nur quer. Trotzdem entscheidet es Bewerbungen – nicht durch Brillanz, sondern dadurch, dass die meisten es gleich schreiben.

Es hat genau eine Aufgabe: die Verbindung zwischen dieser Stelle und dir herzustellen. Der Lebenslauf sagt, was du gemacht hast. Das Anschreiben sagt, warum das hier hinpasst. Alles, was diese Aufgabe nicht erfüllt, kann weg.

Die Form

Eine Seite, und zwar eine halb gefüllte. Deine Adresse oben, die Adresse des Unternehmens, das Datum, eine Betreffzeile, die Anrede, vier Absätze, Grußformel, Name.

Die Betreffzeile nennt die Stelle so, wie sie ausgeschrieben ist, gern mit Kennziffer: „Bewerbung als Fachkraft für Lagerlogistik (Ausbildungsbeginn 01.08.2027), Kennziffer 4711“.

Die Anrede mit Namen. Wenn in der Anzeige eine Person steht, nimm sie. Wenn nicht, ruf an und frag, an wen die Bewerbung gehen soll – das ist ein Dreißig-Sekunden-Anruf, und er verschafft dir außerdem den ersten Kontakt. Nur wenn beides nicht geht: „Sehr geehrte Damen und Herren“.

Absatz 1: der Satz, der nicht „hiermit bewerbe ich mich“ heißt

Der erste Satz ist der einzige, der sicher gelesen wird. Verschwende ihn nicht mit einer Information, die schon in der Betreffzeile steht.

Was funktioniert, ist eine konkrete Verbindung zwischen dir und dieser Stelle:

  • „In meinem Schülerpraktikum bei einem Sanitärbetrieb habe ich zwei Wochen an Heizungsanlagen mitgearbeitet – seitdem weiß ich, dass ich das lernen will.“
  • „Ihre Ausschreibung nennt Schichtarbeit. Ich arbeite seit zwei Jahren an Wochenenden in der Gastronomie und weiß, dass mir das liegt.“
  • „Ich habe im Technikkurs unserer Schule eine kleine Fräse instand gesetzt. Dabei habe ich zum ersten Mal verstanden, was Toleranzen bedeuten.“

Was nicht funktioniert: „Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen.“ Das schreibt jeder, es sagt nichts, und es verbraucht die wichtigste Zeile.

Absatz 2: warum du – mit Belegen

Hier kommen zwei oder drei Punkte, die zur Stelle passen, jeweils mit einem Beleg. Der Aufbau ist immer gleich: Anforderung aus der Anzeige → was du dazu vorweisen kannst.

Nimm die Anzeige und unterstreiche drei Anforderungen. Zu jeder schreibst du einen Satz mit einer Tatsache darin:

  • „Genauigkeit“ → „In meinem Ferienjob war ich für die Inventur in zwei Abteilungen zuständig.“
  • „Teamarbeit“ → „Ich trainiere seit drei Jahren eine E-Jugend, zwölf Kinder, zweimal pro Woche.“
  • „Mathematik“ → „Mathematik ist mein bestes Fach, letzte Zeugnisnote 2.“

Das klingt weniger blumig als die üblichen Formulierungen, und genau das ist der Punkt: nachprüfbare Sätze wirken, weil sie selten sind.

Absatz 3: warum dieses Unternehmen

Der Absatz, an dem fast alle Bewerbungen gleich aussehen. Zwei Sätze genügen, aber sie müssen erkennbar zu diesem Betrieb gehören – etwas, das nicht auch auf drei andere passt.

Dafür reicht die Website, wenn man zehn Minuten hineinsieht: Was stellen sie her, wen bedienen sie, wie groß sind sie, was betonen sie selbst? Bei einem Handwerksbetrieb, der ausschließlich Wärmepumpen einbaut, ist genau das der Satz. Bei einem Konzern kann es die Abteilung sein, die in der Anzeige steht.

Und wenn du keinen ehrlichen Grund findest, ist es besser, hier kurz und sachlich zu bleiben, als etwas zu erfinden. Erfundene Begeisterung klingt im Gespräch nach – dort wirst du gefragt, was dir aufgefallen ist.

Absatz 4: der Abschluss, ohne Konjunktiv

Nenne den Termin, ab dem du anfangen kannst, und schließe ohne Weichmacher.

Gut: „Ich kann ab dem 1. August anfangen und freue mich auf ein Gespräch.“ Nicht gut: „Über die Möglichkeit eines persönlichen Gesprächs würde ich mich sehr freuen.“ – Konjunktiv, Passiv, und eine Bitte um Erlaubnis, die niemand braucht.

Kein „Bei Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung“ (selbstverständlich), kein „Ich bin überzeugt, dass ich die ideale Kandidatin bin“ (das entscheidet der Leser).

Sätze, die du streichen solltest

Jeder dieser Sätze steht in einer von drei Bewerbungen und trägt keine Information:

  • „Hiermit bewerbe ich mich um die ausgeschriebene Stelle.“
  • „Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen können …“ – dann steht es ja schon dort.
  • „Ich bin teamfähig, motiviert und belastbar.“ – drei Behauptungen ohne Beleg.
  • „Ihr Unternehmen ist ein renommierter Marktführer mit innovativen Produkten.“ – Lob, das der Adressat über sich selbst besser weiß.
  • „Ich möchte mich beruflich weiterentwickeln.“ – gilt für alle Menschen.

Wenn du alle streichst und dein Anschreiben dadurch zu kurz wird, ist das ein nützlicher Befund: dann fehlen Belege, nicht Worte.

Was bei Ausbildung, Praktikum und Werkstudentenstelle anders ist

Ausbildung. Der Betrieb sucht keine fertige Fachkraft, sondern jemanden, der drei Jahre durchhält und angeleitet werden kann. Also gehören Zuverlässigkeit und echtes Interesse am Beruf nach vorn – belegt durch Praktikum, Ferienjob, Ehrenamt. Nenne unbedingt den Ausbildungsbeginn. Was danach im Vertrag steht, in Ausbildungsvertrag prüfen.

Praktikum. Kurz halten, eine halbe Seite reicht. Wichtig sind Zeitraum und Art: „Pflichtpraktikum im Rahmen meines Studiums, sechs Wochen, vom 1. Februar bis 15. März“. Wer das nennt, macht dem Betrieb die Entscheidung leicht – siehe Praktikum: welches sich lohnt.

Werkstudentenstelle. Nenne Studiengang, Semester, verfügbare Wochenstunden und wie lange du bleiben kannst. Wer schreibt „bis zum Ende meines Bachelors, also noch vier Semester“, hat gegenüber jemandem mit „flexibel“ einen Vorteil, weil Einarbeitung Geld kostet. Die Regeln dazu in die 20-Stunden-Regel.

Direkteinstieg. Hier zählt vor allem, dass du verstanden hast, was die Stelle täglich verlangt. Eine Frage im Anschreiben ist erlaubt und wirkt souverän: „Eine Sache würde ich gern im Gespräch klären: Wie sieht die Einarbeitung in den ersten Wochen aus?“

Zum Schluss: dreimal derselbe Brief ist keine Bewerbung

Ein Anschreiben, das für zwanzig Stellen passt, passt zu keiner. Aber du musst es auch nicht jedes Mal neu erfinden: Absatz 1 und 3 sind stellenspezifisch, Absatz 2 und 4 kannst du in Varianten vorbereiten. Damit dauert eine Bewerbung zwanzig Minuten statt zwei Stunden, und sie liest sich trotzdem, als wäre sie für diese Stelle geschrieben – weil sie es an den Stellen ist, auf die es ankommt.

Was als Nächstes kommt, wenn es klappt: dein erstes Vorstellungsgespräch. Und wenn du noch suchst: alle Stellen ohne Berufserfahrung.

Und jetzt?

Wissen hilft beim Entscheiden, nicht beim Anfangen. In der Liste stehen heute alle Stellen, für die niemand Berufserfahrung von dir verlangt.

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